Archiv für Dezember 2009

En Garde! WKR-Ball anfechten!

Wie jedes Jahr haben wir auch wieder im Januar 2010 in Wien mit dem öffentlich tolerierten oder gar anerkannten WKR-Ball zu kämpfen. Im WKR (Wiener Korporationsring) sind mehr als zwanzig lokale Studentenverbindungen organisiert, die sich politisch in einem Spektrum zwischen „national-freiheitlich“, völkisch-deutschnational und offen rechtsextrem bewegen. Der Ball ist mit etwa 2.000 Besucher_innen nach eigener Angabe das größte couleurstudentische Event im deutschsprachigen Raum. Neben Korporierten treffen sich dort auch Politiker_innen von FPÖ und BZÖ, sowie Funktionär_innen etlicher rechter und rechtsextremer europäischer Parteien. Es wird deutlich, dass Studentenverbindungen – wie schon immer in ihrer Geschichte – als Bindeglied zwischen der bürgerlichen Rechten und dem Rechtsextremismus fungieren. Es gilt dieses europaweite Treffen von Deutschnationalen, Rechtsparteien und offenen Rechtsextremist_innen zu skandalisieren und dem WKR-Ball entschieden entgegen zu treten.

Deswegen können wir uns den Parolen der Österreichischen GenossInnen nur mit aller Deutlichkeit anschließen:

Deutschnationale Männerbünde auflösen!
Antisemitismus, Sexismus, Rassismus und Homophobie immer und überall entgegenarbeiten!
Für eine Gesellschaft jenseits kapitalistischer Herrschafts- und Verwertungszusammenhänge!

Für detaillierte Informationen hier oder „mehr“ klicken: (mehr…)

Hamburg ganz weit vorn

Referenz1: http://www.keine-stimme-den-nazis.org/
Referenz2: http://de.indymedia.org/2009/11/267436.shtml

Vergangenes Wochenende gelang dem Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) ein gut gezielter Schlag ins Gesicht der Korporationsszene, der gerne mit dem Prädikat Vorbildlich bezeichnet werden darf und auch in Coburg fast mit Neid zu betrachten ist. Mit einem offenen Brief an Betreiber von Veranstaltungsräumlichkeiten meisterten es AktivistInnen, den Verbändekommers der „Vereinigung Hamburger Akademikerverbände“ zu sabotieren und faschistische Elemente des Verbindungswesen offenzulegen. Betroffen ist auch der Coburger Convent.

Hamburgs Korporationen mögen mit ihren intelligenzlerischen Floskeln zwar ebenso bunt daherkommen, wie die Fahnen des Coburger Convents selbst, düften dieses Bild dank der aktuellen Publikationen jedoch nichtmehr allzu widerspruchslos aufrecht erhalten können. Viele Fakten werfen ein braunes Licht auf die Männerbünde der Hansestadt, welches über zahlreiche Verbindungen bis in den entferntesten Winkel ihres gelobten Reiches scheint.
Da wäre zunächst besagte „Vereinigung Hamburger Akademikerverbände“, kurz VHA. Wie der Name schon erahnen lässt, besteht der Anspruch, alle Hamburger Studentenverbindungen unter einen Hut zu bringen. Dankend greifen wir das auf: Neben zahlreichen unscheinbaren Verbindungen – selbstverständlich mit dem Toleranzprinzip und gegen jeden Extremismus – finden sich dort beispielsweise auch die Turnerschaft Slesvigia Niedersachsen und die Landsmannschaft Mecklenburgia-Rostock – beide im Coburger Convent (CC). Letztere dürfte den Alten Herren des CC noch gut im nationalen Gedächtnis haften, sorgte sie doch 1993 für einen Eklat als sie bei der Coburger Totenehrung über ihren Redner Prof. Dieter Wiebecke die beispiellose Hingabe und Opferbereitschaft der 6. Armee in Stalingrad 1943 als vorbildlich auslobte. Auch heute noch findet sich zum Beweis der nationalistisch-völkischen Ideologie die Rede auf der Homepage der Mecklenburgia. Die weitreichenden Beziehungen zum neofaschistischen Lager manifestieren sich in den Mitgliedschaften des völkischen Multifunktionär Emil Schlee und des Nazi-Aktivisten Hanno Borchert, sowie in den Referentenlisten der Verbindung. Hier sei exemplarisch der Antisemitensolidarische ehemalige Brigadegeneral Reinhard Günzel genannt, der eben aus diesem Grund aus dem Wehrdienst entlassen wurde.
Ebenfalls belastend für alle Hamburger Verbindungen ist die zumindest formale Freundschaftsbeziehung zur einschlägig bekannten Burschenschaft Germania-Königsberg, deren Name die Bände spricht, die hier keinen Platz finden würden.
Hinzu kommt für die zwei CCer Slesvigia und Mecklenburgia, dass sie sich keinesfalls mit der formalen Natur der Beziehungen im recht großen VHA herausreden können; sie praktizieren im Hamburger Waffenring (HWR) mit der Germania tatsächliche Freundschaft. Dies zeigte sich im Falle der Mecklenburgia eindrücklich, als diese 2008 aus Solidarität mit den vom Verbändekommers ausgeschlossenen Nazis der Germania ebenfalls dem Treffen fernblieben.
Bezüglich des Toleranzprinzips im CC bleiben keine Fragen mehr offen. Der Extremismusbegriff wird offensichtlich von großen Teilen der Mitgliederschaft nur Links angewandt, der Rest übt sich in Toleranz gegenüber den Intoleranten. Wie sonst sind das festliche Zeremoniell und das freundschaftliche Trinken jedes Jahr zu Pfingsten in Coburg zu erklären?

Hamburg jedenfalls scheint erkannt zu haben, welche Couleur hier zu Gange ist. Nach dem offenen Brief des HBgR entschlossen sich die Hamburger Handwerkskammer sowie das Hotel InterContinental, das geplante Treffen der Verbindungen nicht zu emfangen. Das Antifaschistische Bündnis berichtet, dass die Handwerkskammer erklärte, man sei grundsätzlich für Veranstaltungen auf Basis der demokratischen Grundordnung offen. „Die Veranstaltung des Verbändekommerses passt nicht in diesen Kontext und findet bei uns nicht statt“.
Auch der geplante Ausweichort stand den Korporierten nicht offen. Begründung: „Das Management des InterContinental Hamburg distanziert sich von jeglichen Veranstaltungen des Verbändekommers der ‚Vereinigung Hamburger Akademiker-Verbände‘ (VHA).“ Das Treffen fiel somit einfach aus.
Dagegen erscheint Coburg in einem Licht, dass langfristig weder der Gastronomie noch der Bevölkerung gefallen und gut tun kann. Es ist erforderlich auch mit Ausblick auf das schnelle Geld gewisse Prinzipien neu zu überdenken und verantworlich zu handeln. Außerdem ist es eine Frage der Nachhaltigkeit, ob die Stadt auf alle Zeit und über die Grenzen hinweg zuallererst mit einem zweifelhaften Treffen deutsch-nationaler Männerbünde verbunden werden soll. Möglicherweise ist es noch nicht zu spät.