Archiv für Mai 2010

Bericht vom Fackelmarsch

Am Montagabend, den 24. Mai fand der Pfingstkongress des CC mit seinem alljährlichen nächtlichen Fackelmarsch seinen Abschluss und bot den vertretenen Korporierten wieder die Möglichkeit sich im Kontext dieser Veranstaltung selbst zu feiern um im nationalistischen und revisionistischen großen Ganzen aufzugehen. In vollem Wichs marschierten die uniformierten Fahnenträger durch die Innenstadt zum Markt. Im Schein hunderter Fackeln und begleitet von Marschmusik fiel es dem ein oder anderen aufrechten Mann allerdings dann doch schwer innerhalb der militärischen Formation Haltung und Disziplin zu bewahren. So entzündete sich ein Teilnehmer durch ein Aufmerksamkeitsdefizit seines Vorausgehenden kurzzeitig am Bein, ein anderes Mitglied der selbsternannten Elite, führte wenig zielführende Bewegungen mit seinem Säbel aus und verfehlte einen nebenstehenden Uniformträger nur knapp.
Es ist interessant zu beobachten, dass die Polizei hier im Vergleich zu den Gegenveranstaltungen keine sogenannte Gefahrenprognose ansetzt und somit mutwillig Verletzungen auch von Außenstehenden in Kauf nimmt. Es wäre ein leichtes, wie bei anderen Versammlungen üblich, z.B. die Bewaffnung der Teilnehmer zu untersagen – gerade wenn diese meist alles andere als nüchtern damit hantieren – oder deutlich alkoholisierten Mitläufern die Teilnahme gänzlich zu verbieten.

Nicht nur wegen der beunruhigenden Ästethik des Ganzen, sondern auch aufgrund inhaltlicher Übereinstimmungen mit den Beiträgen dort auftretender Redner der jeweiligen präsidierenden Landsmannschaft, ist der Fackelmarsch des CC seit jeher auch ein willkommener Anlaufpunkt für lokale, und dieses Jahr auch überregional angereiste Nazis. Das nationalistische und militaristische Ritual des CC wird in seiner Attraktivität für Neonazis nicht problematisiert. Nein, es wird billigend in Kauf genommen, selbst wenn, wie zuletzt 2005 geschehen, das komplette Deutschlandlied auf dem Marktplatz abgesungen wird und Nazis, Burschis und Coburger Normalbevölkerung sich zusammen wieder ein Großdeutschland wünschen. Es ist für uns schockierend, aber nicht weiter verwunderlich, dass sich in diesem Jahr so viele Neonazis rund um den Markt versammelt haben, wie seit Jahren nicht mehr.
Während sich Nationalgesinnte aus dem gesamten rechten Spektrum jedoch auch in diesem Jahr wieder nahezu frei bewegen konnten und drei dokumentierte Neonazis sogar zwischenzeitlich von der Polizei scheinbar unbemerkt durch eine Kundgebung des Aktionsbündnisses gegen den CC laufen wollten, sahen sich potentielle Teilnehmer_innen der angemeldeten Gegenkundgebungen am Montagabend mit zahlreichen Schikanen konfrontiert:
Gezielt wurden vereinzelte Kundgebungsteilnehmer_innen schon im Vorfeld observiert, Vorkontrollen durchgeführt oder Menschen von anwesenden Einsatzkräften verbal beeinflusst oder sogar eingeschüchtert sich lieber nicht an den Protesten zu beteiligen. Rund um den Markt wurden willkürlich Platzverweise verteilt und von zahlreich anwesenden Polizisten in zivil auch unerlaubterweise Porträtfotos von kritischen Anwohner_innen und Demonstrant_innen angefertigt.
Trotz all dieser Schwierigkeiten gelang es dem Bündnis gegen den Coburger Convent, auf und rund um die beiden angemeldeten Kundgebungen am Montagabend etwa 100 Menschen zu mobilisieren , die lautstark ihre Missbilligung gegenüber dem deutschnationalen Treiben auf die Straße trugen und durch heterogenen Protest, laute Sprechchöre und kreative Aktionen den obskuren Feierlichkeiten des CC ihren Widerstand entgegensetzten. Durch den kraftvollen Protest selbst – der konsequent forderte reaktionäre studentische Verbindungen aufzulösen – aber auch aufgrund des im Vergleich zu den Vorjahren schwindenden Interesses seitens der Bürgerinnen und Bürger, konnte dem Coburger Convent verdeutlicht werden, dass seine Anwesenheit in Coburg nicht so erwünscht ist, wie es die Veranwortlichen in Coburg rund um Oberbürgermeister N. Kastner und der CC selbst es gerne hätten.

Die schier angsteinflößende Szenerie aus anwesendem patriotisch-nationalistischem Bürgertum, begeisterten Neo- und Altnazis sowie einer martialisch auftretenden Bereitschaftspolizei, erinnert uns jedoch immer wieder neu, warum wir uns selbst gerne als Antifaschist_innen begreifen, egal wie sehr zahlreiche Akteur_innen vor Ort die Notwendigkeit eines gelebten Antifaschismus verklären und diffamieren mögen. Die Gleichgültigkeit der restlichen Coburger_innen zeigt jedoch auch, dass zeitlich unabhängig von Pfingsten mehr Aufklärungsarbeit rund um den CC geleistet werden muss. Wie am Rande der Gegenveranstaltungen eine Aktivistin zusammenfassend kommentierte: „Mit großer Betroffenheit und tiefer Verachtung haben wir heute den Fackelmarsch zur Kenntnis genommen. Das fehlende Geschichtsbewusstsein schockiert uns und die geschichtsrevisionistischen Bestrebungen verurteilen wir aufs Schärfste. Doch wir sind aufgrund unserer Erfahrungen in diesem Jahr motivierter denn je in Zukunft konstanter, und trotz der vielfachen Einschüchterungsversuche natürlich weiterhin unsere radikale Gesellschaftskritik an den bestehenden Verhältnissen zu äußern. “
“In diesem Sinne und im Hinblick auf die massiven Grundrechtseingriffe uns gegenüber in diesem Jahr, sowie dem aktuellen unsäglichen Extremismusdiskurs in Coburg, werden wir mit unterschiedlichen, situativ geeigneten Mitteln in Zukunft versuchen müssen unseren Protest selbstbestimmter zu äußern und unsere dringend notwendige politische Arbeit in Coburg intensivieren.” , ergänzte ein weiterer Aktivist, der aufgrund des aktuellen repressiven Klimas gegenüber einer emanzipatorischen Linken in Coburg lieber nicht namentlich genannt werden möchte.

Zwischenstand

Das Aktionswochenende gegen den CC ist fast vorbei – es steht nur noch die besonders wichtige Kundgebung gegen den Fackelmarsch der CC‘ler an. Vieles ist gelaufen und wir ziehen bisher, auch und gerade weil im Vorfeld vieles schief gelaufen ist, ein positives Zwischenfazit. Die Kundgebung gegen den Fackelmarsch wird den Abschluss unsres Aktionswochenendes bilden und wir gehen von einer großen Beteiligung aus.

Demo

Eine Ausführliche Nachbereitung folgt. Die bisherigen Impressionen von der Demo sind positiv. Es konnte mit einer im Vergleich zum Vorjahr gleichbeleibenden Teilnehmer_innenzahl ein konstanter Protest unter Beweis gestellt werden. Schade war die relativ geringe bürgerliche Beteiligung. Möglicherweise kann hierfür der in Coburg gallopierende Extremismusdiskurs als Grund angeführt werden. Die Demo war laut, geschlossen und mit vielen Transpis und Schildern sehr schön anzuschauen. Die Stimmung war alles in allem etwas defensiv, was sicherlich dem recht großen Polizeiaufgebot geschuldet war. So wurde die Demo von Anfang an abgefilmt und von einem Spalier begleitet. Die Teilnehmer_innenzahl bewegte sich bei ca. 350 Menschen, was für lokale (und bayerische) Verhältnisse sehr gut ist.

Reclaim the Streets

Gegen die Verdrängung aus öffentlichen Räumen in Coburg gab es am Sonntag eine Rückeroberung – mit gut 50 Menschen zog ein großer Party-Mob vom Hofgarten aus durch die Innenstadt. Dabei wurden antisexistische Plakate verklebt, Flyer verteilt und überhaupt Stimmung gegen das deutschnationale Bierspektakel gemacht. Während in Coburg das größte Burschi-Besäufnis überhaupt läuft, werden trinkende Punks aus den öffentlichen Räumen vertrieben. Auch deswegen haben wir uns den öffentlichen Raum feiernd zurückerobert.

    Die Verhältnisse zum Tanzen bringen
    Ihr fragt euch sicher, was die tanzende Menge, aus der ihr gerade
    diesen Flyer bekommen habt will, was sie vorhat und wer das
    eigentlich ist. Wir tanzen heute gegen den Coburger Convent, gegen
    die Vertreibung aus öffentlichen Räumen und überhaupt gegen die
    bestehende Ordnung.
    Der Hofgarten ist seit Jahrzehnten beliebter Anlaufpunkt für
    Jugendliche, Punks und Schüler, aber auch für ältere Menschen. Der
    Hofgarten ist ein riesiger, öffentlicher Park – und er gehört allen!
    Nach unserem Verständnis sollte jede_r ihn nutzen können – mit
    Rücksicht auf die anderen Nutzer, aber dennoch selbstbestimmt.
    Öffentlicher Raum, der den Namen verdient hat, muss für alle frei
    zugänglich zur Verfügung stehen.
    Doch wie siehts eigentlich wirklich aus?
    Die Schools out Party am letzten Schultag wurde verboten und
    als Trinkgelage diffamiert.
    Punks und alternativ aussehende Menschen werden systematisch
    durchsucht, gestresst und vertrieben.
    Das gemütliche Bier unter Freund_innen ist hier mittlerweile
    unter Strafe verboten.
    Gleichzeitig steht der Hofgarten nur denen zur Verfügung, die der
    Stadt Geld bringen – Tourist_innen und insbesondere der CC
    scheinen wilkommen zu sein. Wir wehren uns dagegen, dass
    öffentlicher Raum dieser Verwertungslogik unterworfen wird. Wir
    alle wollen ihn nutzen und das steht uns auch zu. Her mit dem
    öffentlichen Raum – für Alle und selbstbestimmt! Schluss mit
    Polizeikontrollen, Schikanen und der Stigmatisierung der
    Schüler_Innen. Deshalb:
    Reclaim the Streets! Die Stadt gehört uns.

Kundgebung gegen das „Heldengedenken“

Gegen das revisionistische Heldengedenken gab es heute außerdem eine Kundgebung, an der sich gut 60 Menschen beteiligten. Im Vergleich zum Vorjahr stellt das eine deutliche Steigerung dar. Die Kundgebung konnte direkt neben der Veranstaltung der CC‘ler stattfinden. Wegen der Nähe konnte die Choreografie der Mützenträger sehr gut akustisch gestört werden – es gab keine ruhige (Schweige-) Minute für den CC.

Kundgebungen

Der Protest geht in die letzte Phase – heute gibt es Kundgebungen gegen Heldengedenken und Fackelmarsch.

    Kundgebung gegen das Heldengedenken, Herzog-Alfred-Brunnen im Hofgarten, 9:00 Uhr --> Erfolgreich beendet
    Kundegbung gegen den Fackelmarsch, Webergasse & Spitaltor, 22:00 Uhr

Die Orte sind auf der Karte mit der Demo-Route eingezeichnet.

Kommt zahlreich! Unsre Kreativität gegen ihre Choreografie!

Demo

Wir freuen uns auf Morgen, auch und gerade wegen der vielen Rückschläge und Repressionen, die wir in den letzten Tagen hinnehmen mussten. Wir erleben in Coburg gerade den in der Tagespolitik langsam aber sicher angekommenen Extremismusdiskurs. Aber kurzum – nach dem Pfingstkongress ist vor dem Pfingstkongress und wir werden unsere politsche Praxis an die Gegebenheiten anzupassen wissen.

Coburg wird am Samstag ein starkes Stück Protestkultur erleben. Eine überregionale Beteiligung an der Demo ist sicher, der Widerstand gegen den CC lässt sich nicht einschüchtern. Wir treffen uns daher

    um 13:00
    am Schlossplatz

zur Demonstration „Zukunft statt Herkunft – CC anfechten!“. Es gibt ein Verbot von Seitentransparenten, obwohl wir im letzten Jahr erfolgreich gegen ein solches geklagt haben. Eine Intervention auf dem Rechtsweg kommt für uns gerade nicht in Frage. Kommt – gerade deshalb! – zahlreich, kraftvoll und entschlossen um dem CC zu zeigen, das die Straßen noch nicht ganz den Korporierten gehören! Öffentlicher Raum steht uns zu, nehmen wir ihn uns Morgen mit der Demonstration! Studentische Verbindungen? Auflösen!

Unten findet ihr die Karte der Demoroute.

Infopunkt abgesagt

Der Infopunkt wurde uns vom betreibenden Verein gerade entzogen. Die Stimmung in Coburg gegen die CC-Gegner_Innen wird zunehmend angespannter. Wir haben aktuell keine Infrastruktur. Der Rechtshilfevortrag fällt daher aus! Alles, was an angemeldeten Aktionen geplant ist (Demo + Kundgebungen + Konzerte) wird es natürlich trotzdem geben.
Meldet euch bei Fragen einfach! Das Infotelefon ist permanent besetzt.

Stadtrundgang leider abgesagt…

Der für heute, 16:00 geplante Stadtrundgang wurde leider kurzfristig abgesagt. Wie wir gerade erfahren haben, hat die Person, die den Rundgang leiten wollte, die Zusage zurückgezogen. Er habe nicht gewusst, dass sie vom Bündnis gegen den CC organisiert worden sei. Dies klingt nicht glaubwürdig, ändert aber nichts: Die Führung ist gestrichen und das drei Stunden vor Beginn, nach einer breiten Mobilisierung vor Ort. Ob und in wie weit eine Intervention von Seiten der Stadt-OBrigkeit erfolgt ist, können wir nur vermuten, im Grunde spielt es keine Rolle.

    Denkt an den Vortrag „Rechtshilfetipps und Demoverhalten“, heute um 19:00 im Infopunkt.

Pennplätze / EA / Vortrag

Pennplätze

Wendet euch für Pennplätze an cara-info[ät]safe-mail.net. Auf dem Blog des Bürger_Innenbündnisses gibts weitere Infos.

EA

Der Ermittlungsausschuss wird das ganze Wochenende für euch zu erreichen sein – wendet euch bei Festnahmen an die Nummer 015773045982. Denkt daran: Keine Aussagen gegenüber Repressionsorganen!

Vortrag in Würzburg

Infostand und Podium

Wider den rechten Konsens

Es ist eine Woche vor Pfingsten und es tut sich was in Coburg. Am Samstag, den 15.05. gab es am Vormittag einen Infostand in der Innenstadt, um mit progressiven Inhalten und Kritik am CC in der Innenstadt präsent zu sein. Der Infostand war mit jeder Menge Material bestückt und wurde von einer Performance begleitet: Kritiker_Innen des CC suchten „Germanias next top Burschi“ und machten damit auf die Werte aufmerksam, die der Verband vertritt.

CC demaskiert sich selbst

Am Abend ging es weiter mit der angekündigten Podiumsdiskussion „Aktionsbündnis vs. CC“. Die Korporierten vertraten auf dem Podium offen rechte und reaktionäre Ansichten – von mangelnder Distanzierung von der völkischen deutschen Burschenschaft bis hin zur Extremismuskeule war einiges von den Sprechern des CC zu hören, so dass wieder einmal deutlich wurde , was von der angeblich unpolitischen und toleranten Einstellung des Verbands zu halten ist. Die Sprecher Franz und Stößlein traten mit einer Mischung aus Überheblichkeit und Uninformiertheit über ihren eigenen Verband auf und waren den Argumenten der Kritiker_Innen Jörg Kronauer und Alexandra Kurt kaum gewachsen. Eine Ausführliche schriftliche Auswertung mit Zitaten folgt. Bis dahin könnt ihr euch die Veranstaltung auch auf Youtube anschauen. Nutzt dazu die folgenden Links:

Es gibt in den Nächsten Tagen auch eine Audiodatei mit besserer Tonqualität.

Programmzuwachs

Am Sonntag gibts ebenfalls ein Konzert, um das zarte Pflänzchen Subkultur in Coburg weiter blühen zu lassen.

Erinnerung

Das Aktionsbündnis gegen den CC lädt ein, zur Podiumsdiskussion!

    Samstag, 15.05. um 19:00 im JUZ Domino