Archiv für August 2010

IHK für rechts offen

Der „Bundesverband für freie Kammern“ (bffk) setzt sich einer Meldung der Frankfurter Rundschau vom 3. August zufolge für die Ausladung des „Convent Deutscher Akademikerverbände“ (CDA) und der „Vereinigung der Akademikerverbände Frankfurt“ (VAV) aus den Räumlichkeiten der Frankfurter IHK ein. Die Verbände planen dort am 6. November den „10. Deutschen Akademikertag“ und den „Rhein-Main-Kommers“ – eine Art Doppelgipfel des Korporationswesens.

Laut bffk-Sprecher Kai Boeddinghaus hätten Studentenverbindungen nichts in einer Kammer verloren. Eine Kammer sei „in besonderer Weise zur Sorgfalt verpflichtet, wen sie in ihre heiligen Hallen lässt“. Der Fokus der Kritik richtet sich wie meist in dieser Debatte auf die Treue der Verbindungen zu rechtem Gedankengut und damit auch völkisch-rassistischen und antisemitischen Organisationen. Neben der radikalen Deutschen Burschenschaft (DB), der die Politologin Alexandra Kurth in der FR einen fest verankerten Rechtsextremismus bescheinigt, sind auch die sich öffentlich gemäßigter präsentierenden Dachverbände wie der Coburger Convent oder die Neue Deutsche Burschenschaft im Convent Deutscher Akademikerverbände und der Vereinigung der Akademikerverbände Frankfurt. So ist auch bei diesem Gipfeltreffen mit einer illustren Männerrunde, bestehend aus allen Kräften der alten und Neuen Rechten – angefangen bei NPD-Funktionären bis hin zum gemeinen CDU-Politiker – zu rechnen. Der Rhein-Main-Kommers der VAV sei „ein typisches Beispiel“ der gut funktionierenden interkorporativen Vor-Ort-Zusammenarbeit, so die Korporationsexpertin Kurt.
Während die Frankfurter IHK in diesem, im Verbindungsjargon so genannten, „Toleranzprinzip“ keinerlei Probleme erkennen will und offensichtlich weiter an der Vermietung der Räume festhält, hat Kai Boeddinghaus den Widerstand seines Verbandes zugesagt.

SPD vs. CC

Jetzt will der Coburger Convent durch eine Drohung mit Klage den SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Hamburger Bürgerschaft, Michael Neumann, zum schweigen bringen. Dieser hatte laut coburger-convent.de von sich gegeben, Verbindungen seien „dumpfe Nationalisten“, die vom Verfassungsschutz überwacht würden.

Zwar zweifelt niemand auch nur Ansatzweise an diesen Aussagen, dennoch sei es dem Coburger Convent gestattet, sich auch hier, bei seinen härtesten Gegnern, zu rechtfertigen. Die Pressemitteilung verkündet:

Wir stellen fest, dass keine studentische Verbindung, welche von unserer Mandantschaft auch nur im weitesten Sinne vertreten wird, von einem Landes- oder Bundesverfassungsschutz beobachtet wird.

Zunächst einmal, lieber CC, müssen wir uns leider zu hundert Prozent hinter das „dumpfe Nationalisten“ des Herrn Neumann stellen. Unsere Erfahrungen, insbesondere in Coburg, haben uns zu genau dem selben schlauen Urteil kommen lassen. Wenn des nachts ein besoffener und mit Fackeln ausgestatteter Mob das Deutschlandlied grölend durch die Gegend zieht, dann ist das zweifelsohne dumpf und nationalistisch.
Wenn ihr euch nun verständlicher Weise als Studentenverbindung wohlfühlt, dann könnt ihr euch gerne auch von der zweiten anprangerten Aussage Herrn Neumanns angegriffen fühlen: Verbindungen werden vom Verfassungsschutz observiert. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt; jedenfalls sind auch eure Freunde von der Danubia München im Visier der Schlapphüte…
Ach, dass sind nicht eure Freunde? Dann Pardon, eure Bundesbrüder natürlich, denn das seid ihr ja wohl, oder?
So weit, so gut, wäre da nicht eure kleine Anmerkung, dass sich auch in Neumanns SPD zahlreiche eurer Brüder tummeln. Sofort mussten wir an CC-Dressel und OB-Kastner denken. Hm, stimmt, die sind auch komisch. Ist die SPD vielleicht gar ein Haufen dumpfer Nationalisten?
Die Antwort gibts nach der nächsten Maus.