Archiv für Juni 2011

Aktionstage

Zwei Aktionen vorvergangene Woche haben den Rahmen der Proteste gegen den Coburger Convent vergrößert. In Berlin wurden die Landsmannschaft Thuringia sowie die Landsmannschaft Spandovia zu Hause besucht. Fotos des markierten „Haus Coburg“ gibt es hier, das Schreiben auf https://directactionde.ucrony.net/ dokumentieren wir:

Wir haben in der Nacht zu Montag der Landsmannschaft Spandovia im Coburger Convent die Scheiben und ein Auto eingeworfen. Die Aktion richtet sich gegen rechtsoffene bis Naziverseuchte, sexistische und elitäre Studentenverbindungen. Wir supporten den Aktionsaufruf gegen den Pfingstkongress des Coburger Convent.
Nieder mit der deutschen Elite!
Klasse gegen Klasse!

Ein Resümee

http://de.indymedia.org/2011/06/310113.shtml

Jena/Thüringen: Burschenschaften angegriffen

Wir dokumentieren ein Schreiben auf Indymedia:

Als kleines Warm-Up gegen den Burschentag in Eisenach wurden vergangene Nacht in Jena einige Burschenschaften angegriffen. Erwischt hat es unter anderem die Landsmannschaft Rhenania, die im Coburger Convent organisiert ist und ihr Burschenhaus neben der Polizeidirektion Jena gelegen hat. Ein Steinhagel prasselte auf die Fensterfront. Gleiches Schicksal ereignete sich beim Burschenhaus der Corps Saxonia Jena am Paradiesbahnhof, welche im Kösener Senioren-Convents-Verband beheimatet ist. Hier gingen ebenfalls einige Scheiben zu Bruch, um den alten Burschenmief durch sommerliche Frischluft auszutauschen. Auch das Jenaer Verbindungsheiligtum, ein 5,5 Meter hohes Burschenschafts-Denkmal, dass neben dem Uni-Hauptgebäude seinen Platz hat, blieb nicht verschont.
Der Burschi aus Marmor in Kämpferpose, der mit Urburschenschaftsfahne und einem Schwert mit der Inschrift „Fürs Vaterland“ seit 1883 die Aufbruchsstimmung der Burschenidee versinnbildlichen soll wurde vorerst in seinem Eifer durch eine großflächige grüne Farbattacke gebremst. Egal ob DB, CC, KSCV, farbentragend, pflichtschlagend, mit oder ohne Ariernachweis: Burschenschaften bleiben reaktionärer Müll! Wer ein homophobes, revisionistisches und nationalistisches Weltbild verbreitet, der hat nichts anderes als Steinschlag und Mützenklau verdient.

Deswegen morgen nach Eisenach und den Burschentag zum Desaster machen!
Mütze runter, Pfanne drüber! Auf auf ins Burschenjagdfieber!

Alle Infos zu den Gegenaktionen bei: http://gegenburschentage.blogsport.de/

Mit Nazis unter einer Decke

Nach eigenen Angaben geht der Coburger Convent jetzt auf Distanz zur Deutschen Burschenschaft (DB). Grund dafür ist ein interner Streit der DB, in dem es um den Ausschluss eines Mitgliedes beziehungsweise einer ganzen Verbindung geht. Die Verbindung aus Mannheim führt ein Mitglied in ihrer Liste, dessen Eltern chinesischer Abstammung sind. Das sorgt beim offen rassistischen Flügel der DB für Unmut, da dieser darin die Überfremdung des „deutschen Volkes“ wiedergespiegelt sieht.
Dass die Distanzierung des CC nur halbherzig sein dürfte, wird klar, wenn man dessen Beziehungen zur Deutschen Burschenschaft genauer betrachtet: in lokalen Waffenringen herrscht freundliche und respektvolle Kooperation verschiedener Verbindungen beider Dachverbände. Außerdem befindet sich der CC mit der DB im Dachverband Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA). So lange diese Kooperation nicht aufhört, muss sich der CC weiter den Vorwurf gefallen lassen, mit Nazis unter einer Decke zu stecken.

Dienstag, 10:00

Gestern Abend liefen wieder einmal tausende Korporierte zu deutscher Marschmusik und mit Fackeln ausgestattet durch die Innenstadt Coburgs. Zum Abschluss hielt die vorsitzende Landsmannschaft im Feuerschein des Marktplatzes eine Lobrede auf den deutschen Nationalismus. Weniger Bürger_innen als sonst waren gekommen, um den Aufmarsch zu feiern; dafür war wesentlich mehr Polizei vor Ort um Menschen zu schikanieren, die so aussehen, als ob sie den CC nicht mitfeiern wollten. Auf den beiden gut besuchten antifaschistischen Kundgebungen kurz vor dem Marktplatz wurde durch laute Musik und Sprechchöre die deutsche Szenerie stark gestört. Duzende Personen wurden im Umfeld vom USK festgehalten und unter Gewaltandrohung kontrolliert, eine Person wurde grundlos festgenommen.
Eine Auswertung der gesamten Aktivitäten mit Fotoimpressionen folgen in den nächsten Tagen auf Indymedia. Vorerst bedanken wir uns bei allen, die dabei waren; den Machern_innen des Protests!

Weiter gehts am nächsten Wochenende in Eisenach gegen den
Burschentag der Deutschen Burschenschaft.

Montag, 20:15

Tag drei in der „gefährlichen Zone“ Coburg; Im Zeichen dieser polizeilichen Zuschreibung für das gesamte Stadtgebiet stand der gestrige Tag. Willkürliche Personenkontrollen, Festnahmen und die Ausschaffung eines Antifaschisten waren die repressiven Highlights. Teile der Coburger Jugend ließen sich davon nicht beeindrucken: uns erreichen ständig Berichte von Widerstandshandlungen gegen das deutsch-nationale Treiben. Unter den Burschis grassiert dem Vernehmen nach zunehmend die Sorge um ihre Mützen und die körperliche Unversehrtheit. Zumindest Nachts gehört die Stadt nicht mehr den Korporierten alleine. Weil das nicht reicht, war heute früh bei der Nazi-Soldaten-Ehreung am CC-Denkmal eine Gegenkundgebung organisiert. Einfallsreich wie sie sind hatten die Burschis vorsorglich einen „Gottesdienst“ angemeldet, den zu stören im Freistaat eine Straftat darstellt. Und weil im Freistaat die Polizei regiert, war es dann auch ziemlich ruhig im Hofgarten. Hoffen wir auf mehr Möglichkeiten zum Protest heute abend beim Fackelmarsch…

Sonntag, 00:03

Die Polizei sucht aktuell in der ganzen Stadt nach einer Person, die zur Konstruktion des Straftatbestandes „Landfriedensbruch“ noch fehlt. Da dafür drei Personen nötig sind, werden derzeit zwei Menschen im Keller der Coburger Polizei gefangen gehalten. Bei der Suche nach dem dritten im mutmaßlichen Bunde kam es bereits zu wiederholten gewalttätigen Übergriffen auf Verdächtigte. So wurde eine Person direkt vor dem Infopunkt von einem Überfallkommando der Bereitschaftspolizei bei ihrer Festnahme misshandelt. Ein Anderer wurde in der Innenstadt gegen ein Polizeifahrzeug geschleudert und seine Arme dabei verdreht. Beide wurden nach Inaugenscheinnahme wieder freigelassen. Der Polizei sei an dieser Stelle gesagt, dass wir sie dafür hassen.

Infotelefon = EA

Das Infotelefon ist ab sofort gleichzeitig die EA-Nummer.
EA / Infotelefon: 0151-26012210

Samstag, 19:01

Burschis Demo 2011Nach Hausdurchsuchungen bei Aktivist_innen im Vorfeld des CC-Wochenendes verlief auch die Demo nur im polizeilich abgesteckten Rahmen. Jede_r wurde auf dem Weg zur Demo unter Gewaltandrohung gefilzt, die Personalien gespeichert und drei Personen grundlos festgenommen. Seitentransparente waren verboten und es durfte nur eine Seite der Straße genutzt werden. Dennoch kam bei den rund 350 Teilnehmer_innen im Lauf der Demo gute Stimmung auf. Mit vielen Redebeiträgen und Transparenten wurde die Forderung „Studentische Verbindungen auflösen“ artikuliert. Die Resonanz war eher ablehnend: Fränkischer Heimatschutz, Bürger und Burschis pöbelten in Richtung Demo. Dennoch herrscht Einigkeit bei uns Antifas: die Inhalte sind richtig und die Demo ist notwendig und wichtig – jedes Jahr wieder!
Ausführliche Berichte folgen auf Indymedia.

Samstag, 01:37

Tag eins bricht an und mit ihm die Mützen über Coburg herein. Der Infopunkt in der Heiligkreuzstrasse 35 ist ab jetzt bis Dienstag früh besetzt. Auf dem Nachhauseweg ihrer Trinkgelage sind schon die ersten Bundesbrüder vorbeigetorkelt. Zwei Korporierte aus der Turnerschaft Merovingia aus Darmstadt haben es uns besonders angetan: der eine bekennender NPD-Sympatisant, der andere – ein Fux – bekennender Homosexueller. Zündstoff auch im so toleranten CC: nachdem Letzterer über die mangelnde Akzeptanz berichtet, wird er von seinem Vorgesetzten gewaltsam zum gehen gezwungen. Wir empfehlen das Ausstiegsprogramm des AStA Göttingen…
Vom Markt erreichen uns unterdessen Meldungen von grundlosen Personenkontrollen durch die Polizei und einzelne Prügeleien von Burschis. Wir sind gespannt auf die morgige Demo.