– – – 17. – 20. 05 : Aktionstage gegen den Coburger Convent 2013 – – –
HERRSCHAFT, KEIN GRUND ZUM FEIERN –
STUDENTISCHE VERBINDUNGEN AUFLÖSEN!

Ein Erdbeben geht durch die Korporationslandschaft. Auf Grund von vermehrten und andauernden Protesten gegen studentische Verbindungen geraten Burschis zunehmend unter Druck. Die Deutsche Burschenschaft (DB) kommt wegen eindeutig rassistischen Äußerungen nicht mehr aus den Schlagzeilen, Distanzierungen und eine wachsende Anzahl von Austritten prägen das Bild des Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA). Die wohl wichtigste Verbindungsstelle zwischen Dachverbänden ist nach den Austritten von Coburger Convent (CC) und DB faktisch nicht mehr handlungsfähig. Die öffentliche Empörung beschränkt sich dabei ausschließlich auf die Ausfälle der DB und auch der CC glaubt, dass eine Distanzierung von dem ausgemachten Sündenbock ausreicht, um sich der Kritik zu entziehen. Die Distanzierung bezieht sich lediglich auf die gröbsten Dummheiten, während die Zusammenarbeit, zum Beispiel in Waffenringen munter weiterläuft. Doch das Blut-und-Boden-Denken der DB war jahrzehntelang kein Problem für den CC und ist auch in dessen eigenem Selbstverständnis tief verwurzelt. Lediglich die nach außen dringende Form erschien untragbar. Deshalb ist unsere Aufgabe, mit der Kritik tiefer zu gehen und grundsätzliche Probleme im Verbindungswesen zu benennen.

Sexistische Mackerhaufen
Studentische Verbindungen sind in aller Regel reine Männerbünde, das heißt Frauen können nicht Mitglied werden. Der Unterschied zu einem für Männer oder Frauen exklusiven Sportverein, ist dabei, dass ein Sportverein nicht darauf ausgelegt ist, seine Mitglieder in gesellschaftlich relevante Positionen zu bringen oder einen „Lebensbund“ aufzubauen. Aus der Perspektive studentischer Korporationen, sind Frauen also nicht als Teil der Elite vorgesehen, es sei denn als „schmückendes Beiwerk“ der Männer. Darin drückt sich auch ein extrem konservatives Rollenverständnis aus. Verbindungsstudenten fällt es schwer sich Frauen in anderen Rollen als Mutter, „Putze“ oder Sexobjekt vorzustellen. Alles was davon abweicht gilt als verachtenswert. Darunter fällt ganz besonders Feminismus: Selbstbewusstes Leben außerhalb einer Heterobeziehung (mit Gottes Segen) ist ebenso undenkbar, wie Frauen in Führungspositionen. Frauen gleichzubehandeln sei schlicht gegen die Natur. Frauen werden aber nicht nur als anders und minderwertig betrachtet, sondern kommen überhaupt nur als Gegenstück zum Mann vor. Dieser Androzentrismus, stellt Männer in den Mittelpunkt der Welt und brandmarkt alles, was von angeblich männlichen Idealen abweicht als weiblich und damit minderwertig.
Diese Sicht der Dinge findet sich auch den vielbeschworenen Damenverbindungen, die ebenfalls ein konservatives Frauenbild pflegen und darüberhinaus in der Verbindungslandschaft keinerlei Einfluss haben und in den Dachverbänden nicht repräsentiert sind.

Autoritäres Pack
Verbindungen stehen aber nicht nur der Emanzipation von Frauen im Weg, sondern einer freien Gesellschaft als solcher. Klare Hierarchien kennzeichnen das Verbindungsleben nach innen, der Anspruch Elite zu sein nach außen. Wer neu in eine Verbindung kommt (Fux), hat zunächst gar nichts zu sagen, steht in der Rangordnung ganz unten und muss vor allem gehorchen. Dies gilt, egal wie oft Verbindungen ihr sogenanntes Demokratieprinzip in Anschlag bringen und betonen, dass alle Mitglieder gleich seien. Die ersten Jahre in einer Verbindung muss man sich führen lassen, um später selbst führen zu können. Darum geht es bei der korporativen Erziehung: es sollen möglichst autoritäre Charaktere produziert werden, die einerseits obrigkeitshörig sind, sich aber gleichzeitig anmaßen über andere bestimmen zu können und besondere Führungsqualitäten zu haben. Während die Füxe ganz unten stehen, kümmern sich die Burschen der Aktivitas um Veranstaltungen und die aktuelle Politik ihrer Verbindung. Doch das letzte Wort hat faktisch immer die Altherrenschaft, die nicht nur zahlenmäßig immer die Oberhand behält, sondern auch die Verbindung finanziert und über Connections in etablierte gesellschaftliche Kreise verfügt. Da immer die alten das Sagen haben und es deshalb schwierig ist, die Richtung einer Verbindung zu ändern, kann man auch von strukturellem Konservatismus sprechen.

Nazis? Fast!
Einer Auseinandersetzung mit seiner Rolle im Nationalsozialismus weigert sich der CC noch immer. Gern stellt man das verzerrte Bild dar, die Verbindungen, hätten nichts mit den NS-Apparaten zu tun gehabt und die Deutsche Landsmannschaft (DL) wäre zu NS-Zeiten verboten worden. Doch der Schein trügt. Der Vorgängerdachverband des CCs die DL war stets bemüht den aufkeimenden Antisemitismus zu schüren und beschloss schon 1894, auf einem Kongress in Coburg, in einem sogenannten Arierparagraphen, den Ausschluss von Juden auf explizit rassistischer Grundlage. Die vorerst herrschende Ablehnung gegenüber dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) beruhte nicht auf inhaltlichen Differenzen, sondern auf der als erhaltenswert betrachteten Eigenständigkeit der DL. Spätestens nach der Machtübergabe an die NSDAP 1933 war man sich aber innerhalb der DL über den NSDStB einig und ging bewusst und ohne Not eine Kooperation ein. In der Landsmannschaftler-Zeitung gab man zu den Hintergründen einen offenkundigen Kommentar der ausgeprägten Demokratiefeindschaft ab: „Gleichschaltung der Deutschen Landsmannschaft, das Bedeutet Befreiung der landsmannschaftlichen Idee von dem Schutt des gestützten liberalistisch-demokratischen Systems und sieghafte Wiederauferstehung der Landsmannschaft im Geiste der durch sie von jeher gepflegten Wehrhaftigkeit und der von ihr stets ausgesprochenen Ablehnung jedes Standesdünkels. Soldaten Adolf Hitlers wollen wir sein, sonst nichts.“ Die Haltung des CCs stand damals in engem Zusammenhang mit der endgültigen Hegemonie der Nationalsozialisten, es handelte sich dabei um eine Melange aus schon vorhandener völkischer Grundhaltung und einem Anbiedern an die Macht.
Nach 1945 wurden Studentenverbindungen, auf Grund ihrer Rolle im Nationalsozialismus vorerst durch die Alliierten verboten. Dieses Verbot wurde aber im Westen schnell wieder unterlaufen, da man dem Ostblocks gegenüber nicht auf diese bewährten antikommunistischen Kräfte verzichten wollte.
Noch heute übt man sich in den Riten und Traditionen der DL und vollzieht das sogenannte Heldengedenken an dem, von der DL in Hochzeiten der völkischen Ausrichtung gebauten 3-Schwerter-Denkmal. Jedes Jahr erneut wird hier den NS-Tätern gedacht, ohne auch nur einen einzigen Blick auf die deutsche Barbarei zu riskieren. Um sich der lautstarken Kritik zu entziehen beschließt man seit kurzem, diese beispielhafte Verkörperung des verbindungsstudentischen Geschichtsrevisionismus als Gottesdienst zu vollziehen. Statt sich der historiscen Verantwortung zu stellen, tun CC und die Coburger Stadt weiter so, als wenn es Auschwitz nie gegeben hätte.

Vaterland my Ass
Der Vaterlandbegriff nimmt einen prominenten Platz im Wahlspruch des CCs ein, doch ist interessant was der CC unter Dingen wie Deutschland versteht. Sein nationales Verständnis leitet der CC nicht von existierenden Staatsgebilden ab, sondern beruft sich auf ein völkisches Verständnis vom ‚Deutschsein‘ welches auf Blut-und-Boden-Ideologie basiert. Dies kommt unter anderem durch die Aufnahme von Verbindungen aus Österreich zum Ausdruck, die sich selbst als deutsch-national verstehenden. Aber auch im krönenden Abschluss des Fackelmarsches, der Feierstunde am Marktplatz, bei der die sogenannte Wiedervereinigung Deutschlands unter großdeutschem Vorzeichen zelebriert wird, drückt sich der agressive Nationalismus aus.
Der CC sprang zwar dankbar auf den Extremismustheorie-Zug auf und distanzierte sich daraufhin von ‚jeglichem Extremismus‘, aber wenn man die Mitte praktischerweise bei sich selbst ansiedelt, ist die Folge, dass der Feind vor allem links steht. Nach rechts hat man hingegen traditionsbewusst nur wenig Berührungsängste. Der CC hält immer noch Verbindungen zur Neuen Rechten, toleriert Verbindungen mit einer extrem rechten Vergangenheit, wie der Cimbria Wien in seinen Reihen und sieht auch weiterhin keine Schwierigkeiten in einer Doppelmitgliedschaft von NPD und CC.
Studentische Verbindungen stellen also summa summarum eine ideologische Schnittstelle zwischen konservativer Mehrheitsgesellschaft und extremer Rechten dar. Ihre Mischung aus Obrigkeitshörigkeit und rechter Geschichtsdeutung, Antifeminismus und dem Kampf gegen vermeintliche politische Korrektheit, ist gepaart mit ihrer, nicht nur eingebildeten Eliteposition nicht zu unterschätzen. Ihr politischer Wirkungskreis ist auf jeden Fall weitaus größer, als der irgendeiner Dorf-Kameradschaft.

Jedes Jahr zu Pfingsten…
…findet in Coburg der Pfingstkongress des CC statt. Mehrere Tausend Korporierte treffen sich und prägen für vier Tage das Bild der Stadt. Als wäre die bloße Anwesenheit nicht genug, wird der Jahreshöhepunkt mit ekelhaften Ritualen zelebriert. Von der Stadt hofiert, werden unter anderem das Heldengedenken, zahlreiche Verbands interne Veranstaltungen und ein Fackelmarsch abgehalten, der sich einer Ästhetik bedient, die auch bei Faschisten sehr beliebt ist. Außerdem findet alljährlich ein Festball statt, bei dem sich die Elite feiert. Dieses Jahr nicht ohne uns! Denn Herrschaft ist kein Grund zu feiern. Bereitet euch vor, kommt nach Coburg und macht den Pfingstkongress zum Desaster!

Elitäre Kräfte in die Krise stürzen!
Deutsch-Nationale Feste zum Trauerspiel machen!
Sexistische Männerbunde zerschlagen!

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Aufruf 2012
Akionstage und Demo 2011
Heldengedenken 2011
Fackelmarsch 2011