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Alte Herren, neue Rechte

Neue Rechte – was ist das eigentlich? Der Vortrag eines freien Journalisten zur neuen Rechten definiert den Begriff, gibt einen überblick über die neue Rechte und nennt wichtige Akteure. Burschenschaften, rassistische ProX(köln, nrw)-Bewegungen und Publikationsorgane werden hier kurz und übersichtlich zusammengefasst. Wer in das Thema einsteigen will, ist mit diesem Vortrag gut beraten!

Der sozialistische Bursche Schimmer

Oft werden Studentenverbindungen als das Bindeglied zwischen bürgerlicher Gesellschaft und faschistischen Gruppierungen bezeichnet. Tatsächlich bestritten wird das nie. Relativiert und entwertet wird diese Tatsache dagegen schon: man sei nur der Spiegel der Gesellschaft und das Vorhandensein verschiedener politischer Anschauungen wäre der Beweis für die demokratischen Grundsätze und den Pluralismus der Korporationen.
Die Burschenschaftlichen Blätter demonstrierten in ihrer Ausgabe 4/2009 eindrucksvoll, wie gut diese Toleranz auch gegenüber Nazis und deren Gedankengut funktioniert. Ein Interview sogenannter „intensiver innerverbandlicher Kritiker der NPD“ mit dem DB-Verbandsbruder und NPD-Abgeordneten des Sächsischen Landtags Arne Schimmer wird zum Dokument der deutschen Rechten. Das, was im Vorspann noch (mehr…)

Ein Volk, ein Reich, eine Schülerverbindung

 alt=Am 18. Januar steht bei der Thuringia Berlin, wie bei vielen Studentenverbindungen, der sogenannte Reichsgründungskommers auf dem Programm. Kommers heißt so viel wie Party, und die Reichsgründung, auf die hier angestoßen werden soll, bezeichnet den Akt der offiziellen Proklamation eines deutschen Volkes durch den damals neuen Kaiser. Worauf diese Volksgemeinschaft schon immer gedieh und die Korporierten noch immer schwören, ist der Krieg gegen einen gemeinsamen Feind.

Es muss die Idee der Herrschaft gewesen sein, die Menschen in Völker einzuteilen und unter diesem Begriff zu vereinen. So war es (mehr…)

CC im „Netz gegen Nazis“ ?!

„Der CC hat nichts mit Nazis zu tun. Der CC ist unpolitisch. Der CC bekennt sich zum Toleranzprinzip.“

Wenn Mensch in den CC eigenen Internetauftritten oder Print-Veröffentlichungen nach Anhaltspunkten für eine rechtsradikale oder nationalistische Einstellung sucht, so wird dies kaum von Erfolg gekrönt sein. Im Gegenteil, der CC präsentiert sich zur Zeit sogar als angeblich antifaschistisch. So ist auf dem Titelblatt der aktuellen „CC-Blätter“ (wichtigstes Medium des CC) folgendes zu lesen:
“Die Aktivitas der Landsmannschaft Hammonia-Marko Natangia zählte zu den Preisträgern der deutschlandweiten Initiative ›Netz gegen Nazis‹“.

Ist der CC also gar nicht nationalistisch? Sind alle Anschuldigungen in diese Richtung nur ein Resultat überholter, stereotyper Bilder von Korporationen? Wir glauben, dass dem nicht so ist. Zuerst gilt es nun, das Engagement bei „Netz gegen Nazis“, mit dem sich der CC in seiner wichtigsten regelmäßigen Veröffentlichung derzeit rühmt, zu relativieren. Die teilnehmende Verbindung „Hammonia Marko Natangia“ schreibt dazu folgendes:

„Die Ehefrau eines Bundesbruders arbeitet bei der Wochenzeitung Die Zeit und war im letzten Jahr maßgeblich an der Entwicklung des Projektes ›Netz gegen Nazis‹ beteiligt. […]
Durch unsere Bundesschwester erfuhren wir von dem Bilderwettbewerb und faßten den Entschluß, als Hammonia-Marko Natangia daran teilzunehmen. Damit wollten wir uns ausdrücklich vom Klischee der ›rechtsextremen Verbindungen‹ distanzieren […]“

Aha. Die Landsmannschaft hat also, angeregt von einer „Bundesschwester“, an einem Bilderwettbewerb teilgenommen. Und einen Preis gewonnen! Das siegreiche Bild zeigt die aktiven Mitglieder der Landsmannschaft in vollem Wichs (mal verkürzt erklärt: uniformiert) vor einer Wand voller „Netz gegen Nazis“-Plakate. Das einsenden eines Bildes bedeutet für den CC demnach bereits „Kampf gegen Nazis“. Dies und die Tatsache, dass das besagte Bild auch auf dem Cover der aktuellen CC-Blätter zu sehen ist, zeigt wie verzweifelt versucht wird, aus der klaren Zuordnung zur rechten Ecke zu entkommen. Das „antifaschistische“ Engagement des CC ist freilich nur vorgeschoben und ein weiterer Versuch, in der Öffenlichkeit als tolerant und eben nicht-rechts dazustehen. Hierzu wird sogar eine Initiative gegen rechts instrumentalisiert. Wie weit es mit der Toleranz und dem Antifaschismus wirklich her ist, zeigt sich nun auch wieder in den CC-Blättern, jedoch eine Ausgabe früher:
Hier wird namentlich der erfolgreiche Protest gegen den sog. Anti-Islamisierungskongress in Köln letztes Jahr diskreditiert.

„Ein aktuelles und sehr anschauliches Beispiel dafür, wie es etwa um die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Deutschland bestellt ist, lieferten kürzlich die Vorgänge in Köln, wo linke Demonstranten mittels offener, unverhohlener Gewalt vor laufenden Fernsehkameras eine kritische inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Bau einer Großmoschee verhindert haben und dabei von Polizei und Vertretern der so genannten bürgerlichen Parteien auch noch als »couragiert« gelobt und unterstützt wurden.“

Diese Aussage stammt von der 2009 präsidierenden Landsmannschaft „Teutonia Bonn“ und kann daher durchaus als eine vom CC vertretene Meinung gewertet werden.

So beobachten wir auch dieses Jahr die altbekannte Taktik des CC: Obwohl eine klar rechte, teilweise neurechte, manchmal auch nur rechts-konservative Linie gefahren wird, behauptet der Verband weiterhin hartnäckig, unpolitisch und tolerant zu sein und inszeniert dies mit symbolischen Aktionen und schwülstigen Erklärungen zur eigenen Einstellung.
Der CC ist aber weder das Eine, noch das Andere. Die Distanzierung von Rechtsradikalität dient der Verschleierung der tatsächlichen Ansinnen. Das öffentliche Bild soll das einer fortschrittlichen Vereinigung aus der Mitte der Gesellschaft sein, während hinter verschlossenen Türen weiter ein nationalistischer Konsens herrscht. So bleibt der CC was er schon immer war: Ein Sammelbecken für rechte „Intelligenz“ jeder Coleur, vom aktiven Nazi bis hin zum CDU-Ministerpräsidenten (Oettinger, Landsmannschaft Ulmia Tübingen ). Zugegeben sind die aktiven Neonazis sicherlich in der Unterzahl und werden sogar im CC kritisch beäugt. Freilich ist der Hauptkritikpunkt am CC auch nicht die Mitgliedschaft einzelner Neonazis.
Wohl aber die Formung einer nationalistischen, reaktionären Elite die den durchaus rechts geprägten Status Quo in der BRD in weiten Teilen stützt und permanent reproduziert. Wer ist nun gefährlicher? Der betrunkene Dorf-Schläger im „Thor Steinar“- Shirt, oder der durch das Verbindungsleben geprägte rechtskonservative Ministerpräsident , Bundestagsabgeordnete oder Vorstandsvorsitzende?
Letztere dürften zumindest einen größeren Einfluss haben…

DER FUCHS GEHT UM (extended version)

Der folgende Artikel erschien in „Der StreiT – zeitschrift der kritischen juristinnen / al jura“ vom Januar 2009 zum Thema „Staatsgewalt“.

Ordnung, Disziplin, Bildung und dabei immer (feucht-) fröhlich oder in höherem Auftrag unterwegs; Das sind die Werte, die eine gewisse Gruppierung an vielen Unis mit stolz geschwellter Brust und mit Blick auf den potentiellen Nachwuchs nach außen vertritt. Für den Studenten im ersten Semester, eben seinen Wehrdienst hinter sich und gerade etwas eingeschüchtert von der großen Universität, muss das der Himmel auf Erden sein: Ordnung kann er sowieso schon, Disziplin ist auf Befehl auch einfacher als alleine, und Bildung wollte er eh schon immer, klar, sonst wär er ja schließlich nicht auf der Uni. Stellt sich nur noch die Frage: geht noch mehr Saufen als beim Bund? Und auch auf diese Frage ein laut und deut(sch)liches: Jawoll!

Sie, liebeR LeserIn fragen sich jetzt wahrscheinlich: Wer mögen wohl diese WohlTäter am einfachen Mann sein?
Machen wir es kurz: die Rede ist von Studentenverbindungen, d.h. Landsmannschaften, Sängerschaften, Turnerschaften und anderen zwar nicht zu unterschätzenden aber mitgliederschwächeren Korporationen.

Ebenfalls unter den Begriff Studentenverbindung fallen Burschenschaften, welche hier ein wenig fokusiert betrachtet werden sollen, da sie sich im Gegensatz zu den anderen Verbindungstypen offen als politisch bezeichnen und daher gute Beispiele für die ihnen eigene spezielle Art und Weise der Einflussnahme in Politik und Wirtschaft geben.
In Deutschland gibt es rund 120 dieser Burschenschaften, auf österreichischem Territorium weitere 20 ihres Zeichens „deutsche“. Zusammen zählen sie ca. 19.000 Mitglieder.
Während neben ungefähr 100 deutschen alle 20 österreichischen Verbände im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) organisiert sind, bilden 23 Burschenschaften aus Deutschland den zweiten Dachverband, den Spalter „Neue Deutsche Burschenschaft“ (NDB).
Die Dachverbände halten jährlich ihren jeweiligen sog. Burschentag ab, welcher eine parlamentarische Funktion für den Zusammenschluss ausübt und politische Entscheidungen fällt. Dort wird außerdem jedes Jahr eine präsidierende Burschenschaft gewählt, die organisatorische und leitende Aufgaben übernimmt.
Die Abspaltung der 1996 gegründeten NDB von der 1950 nach Verbot wiedergegründeten DB erfolgte aus politischen, eventuell aber auch taktischen Gründen. Nach außen gibt sich die NDB eher gemäßigt konservativ während die DB rechts keinen Rand erkennen lässt. Mit der Spaltung radikalisierte sich der Grundtenor in der DB, da die gemäßigteren Kräfte an Einfluss verloren beziehungsweise nicht mehr vorhanden waren.
Gemein haben alle Burschenschaften jedenfalls eine an völkischen Theorien orientierte Ideologie. Demnach existiert in ihren Augen ein deutsches Volk, welches durch eine eigene Kultur und Sprache definiert ist und in etwa zwischen Maas und Memel bzw. Etsch und Belt haust. Eben diesem Denken entspringt nicht nur in Deutschland beinahe regelmäßig ein Verlangen nach territorialem Eigentum und rassistischer Trennung verschiedener Ethnien. Auch diese Ansätze sind in Studentenverbindungen stets vorhanden gewesen und in vielen Burschenschaften nicht schwer auszumachen. Als Beispiele seien nur einige prominente personelle Überschneidungen mit der Rechtsextremen Szene genannt:
Rolf Schlierer (Gießener Burschenschaft Germania) war ’75/’76 Vorsitzender des Hochschulpolitischen Ausschusses der DB und ist heute Bundesvositzender der Partei „Die Republikaner“. Kontakte bestanden bspw. zu Hans Filbinger, einem NS-Richter und dem DVU-Bundesvorsitzenden Gerhard Frey. Letzterer ist außerdem Herausgeber und Chefredakteur der Deutschen National-Zeitung, für die u.a. schon der ehem. Reichsfilmintendant und Landsmannschafter der im Coburger Convent gebundenen „Teutonia Heidelberg-Rostock“ Fritz Hippler schrieb.
Auch NPD-Bundesvorstandsmitglied und ehem. Mitglied in der Jungen Union Jürgen W. Gansel ist über seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft „Dresdensia-Rugia zu Gießen“ in der DB.
(Für engagierte RecherchistInnen sei die Fortführung dieser kurzen Wikipedia-Expedition empfohlen. Mensch bekommt so schnell Einblick in die Komplexität der Verstrickungen von rechter Politik à la CDU/CSU oder NPD mit der rechtsextremen Szene.)
Ebenso in Österreich sind durch die Deutsche Burschenschaft Verbindungen von etablierten rechten Politikern (wie dem jetzt ehemaligen Suffkopf Jörg Haider, Silvania Wien) zu Rechtsextremen z.B. in und um die „Wiener akademische Burschenschaft Olympia“ klar erkennbar.
Eine vollständige Liste von prominenten Studentenverbindungsmitgliedern aus Reaktionären, Konservativen, Neokonservativen oder Neoliberalen Kreisen in Politik und Wirtschaft wäre wohl mehr als ellenlang und auf Grund mangelnden Einblicks für Außenstehende auch nicht realisierbar, zweifelsohne aber hochinteressant.
Nicht nur interessant sondern eben auch zu bedenken ist die Art und Weise, wie der – in Bezug auf die Mitgliederzahlen – augenscheinlich überdimensionale gesellschaftliche Einfluss zu Stande kommt.
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„Was wir wollen ist die Herrschaft des geborenen Führers“
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Die in jeder Hinsicht elitären Prinzipien sind bereits dort erkennbar, wo für das Individuum der Einstieg in das Disneyland der Machtbesessenen beginnt. Nach dem Entgegennehmen des Bandes, das seine Mitgliedschaft symbolisiert und es zum „Fuchs“ werden lässt hat es schon die erste Prüfung hinter sich: die Aktiven der verschiedenen Korporationen haben es dann wahrscheinlich bereits als „deutsch“, meistens als Nichtwehrdienstverweigerer und fast immer als männlich identifizieren und heraussieben können.
Die Karrierestufe auf welcher der Student sich jetzt befindet ist weniger als Sieb, denn als Fleischwolf zu bezeichnen. Das Fuchsdasein, also die Anwärterschaft auf eine Vollmitgliedschaft ist geprägt von weitgehender Rechtlosigkeit und von Pflichten, welche ihm „weitgehend unmerklich“ (CV-Handbuch, 1990, S.159) die Konsistenz und Eigenschaften von… sagen wir: deutschtümelnder Metwurst zu Eigen werden lassen. Dafür zuständig sind vor allem der „Fuchs-Major“ sowie sein persönlicher „Leibbursche“. Ihm wird u.a. ein Biername gegeben, er wird zum Trinken gezwungen und andere sehr zielgerichtete Rituale mit ihm werden gegen ihn für die Verbindung angewandt. Bekanntestes ist aus sichtbaren Gründen das Mensurfechten, welches den Mut und die Tapferkeit des „Kämpfers“ symbolisiert. Begleitet wird die in dieser Phase intensive und mitunter nicht nur konstruktive Arbeit an der Psyche durch ideellen Input. Umgangssprachlich könnte man diesen Vorgang schlicht als Gehirnwäsche bezeichnen.
Hat der formvollendete Student dann die Burschung hinter sich, so genießt er nun den Status eines vollwertigen Mitglieds und kommt unmittelbar aus der Position des Unterdrückten in die Situation selbst Macht ausüben zu können und auch zu sollen. Eine wirkungsvolle Systematik, welche sogar als schriftliche Anleitung erhältlich ist (s. CV-Handbuch).
Nachdem der aktive Korporierte nun ein bis zwei Jahre stolz seine Verbindung in Ämtern und nach außen vertreten hat, kann er in den Status des Inaktiven wechseln, um sein Studium abzuschließen. Seine Rechte bleiben dabei unangetastet, seine Pflichten dagegen werden reduziert.
Mit dem Abschluss der Ausbildung wird er letztendlich als „Alter Herr“ in die Gesellschaft entlassen; hier soll er seine erlernten Ziele verfolgen und nicht zuletzt für die finanzielle Sicherheit der Verbindung sorgen. Die erworbenen Fähigkeiten und vor allem die Tatsache der Mitgliedschaft werden ihm stets gute Dienste leisten, wenn es darum geht, einflussreiche Posten in Unternehmen oder Politik zu finden. Je höher er auf der Karriereleiter steigt, desto sicherer erscheint es, dass der Eine oder Andere von ca. 135.000 Korporierten Alten Herren seine Wege kreuzt und ihm dabei die eine oder andere mehr oder weniger folgenschwere Gefälligkeit aus kameradschaftlichen Gründen zu Gute kommen lässt. Beispielhaft kann man hier die Verflechtungen in der Führungsriege der Berliner CDU anführen. Lange Jahre setzten sich hier die drei Korporierten Eberhard Diepgen aus der Burschenschaft Saravia, Peter Kittelmann und Klaus Landowsky – beide aus der Sängerschaft Borussia – in zentralen Positionen fest. Bereits 1983 schreibt die Frankfurter Rundschau ihnen ein „Lehrstück für konsequente Kaderpolitik“ zu. Noch bis 2001 war Diepgen nach mehrmaliger und insgesamt mehr als 15 Jahre dauernder Regentschaft Bürgermeister. Heute ist er als Anwalt für Wirtschafts- und Arbeitsrecht tätig. Auch der Jurist Kittelmann könnte auf eine lange Periode der Macht zurückschauen – wäre er noch am Leben. Er war 34 Jahre lang Kreisvositzender der heutigen CDU Berlin-Mitte und des weiteren in vielen Parlamenten, u.a. im Bundestag. Ebenfalls Jurist war Klaus Landowsky, der 30 Jahre lang im Berliner Abgeordnetenhaus und nebenbei bis zum Berliner Bankenskandal Vorstandsvorsitzender der „Berliner Hypotheken- und Pfandbriefbank AG“ war.
Nicht nur in Insider-Kreisen ist bekannt, auf welcher Basis dieses Trio gebaut war; doch auch diese Tatsache konnte der viel weiter reichenden Verflechtung nur unwesentlichen Imageschaden zufügen.
Eben dieses Prinzip ist es, das Studentenverbindungen so einflussreich macht. Neben persönlichem Nutzen wird dabei insbesondere bei Burschenschaften das höhere politische Ziel nie aus den Augen gelassen. Durch das System der Seilschaften konnte das Bestehen einer schlagkräftigen nationalen Elite in allen gesellschaftlichen Bereichen stets sichergestellt werden, welche in jeder erdenklichen Situation geschlossen zusammensteht und so ihre Werte bestens konserviert seit nunmehr zwei Jahrhunderten durch die Zeitalter trägt. Nach außen gaben sich die Korporationen dabei immer angepasst.
Ihren Anfang bestritten sie als nationale bürgerlich-demokratische Bewegung; Mit Beginn des Kaiserreichs stellten sie sich auf die Seite der bürgerlichen und traditionellen Elite und verbrachten die nächsten hundert Jahre damit zu, der demokratischen Macht der Arbeiterbewegung Paroli zu bieten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie in gewaltsamen Konflikten vom 1. Weltkrieg über den Kapp-Putsch bis hin zur Machtergreifung Hitlers stets in der ersten Reihe standen. Mit der freiwilligen Auflösung und dem nahezu geschlossenen Übertritt in den „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ wähnt man sich schon am Ziel aller politischen Ansprüche und schreibt (in den „Burschenschaftlichen Blättern“): „Was wir seit Jahren ersehnt und erstrebt und wofür wir im Geiste der Burschenschafter von 1817 jahraus jahrein an uns und in uns gearbeitet haben, ist Tatsache geworden“. Dieser Satz ist durchaus in Bezug auf fast jedes Detail von Hitlers Politik zu sehen, eingeschlossen der Judenfrage.
Entsprechend entsetzlich läse sich wahrscheinlich die Geschichte der Korporierten im Weltkrieg. Doch glücklicherweise kann zumindest dieses Kapitel mit einem letztendlich guten Ausgang geschlossen werden: Der totalen Niederlage Deutschlands.
Nahezu verständlich ist auch das Verbot der Verbindungen durch die Alliierten mit folgender Formulierung: „All National Socialist organizations in universities are abolished and will not be permitted to be revived. The revival of other student organizations (especially Verbindungen, Burschenschaften, Korporationen and their Altherrenbuende) of a nationalistic, reactionary or para-military character will not be permitted.“ Aber auch in der Nachkriegsgeschichte zeigt sich wie zäh die Seilschaften der deutschen Rechten sind. Bereits 1950 stand wieder fest, dass auch in der Zukunft kein Deutschland ohne Studentenverbindungen sein sollte, denn die wesentlichen Strukturen in Form von Dachverbänden (darunter auch der DB) und anderen Vereinigungen waren wieder aufgebaut. Bis heute sehen sie sich in militaristischer, antikommunistischer, sexistischer, teils rassistischer und antisemitischer bzw. antiislamischer Tradition.

Studentenverbindungen in Berlin

Auch in Berlin gibt es zahlreiche Verbindungen. Die vier aktiven Berliner Burschenschaften in der DB nennen sich Berliner Burschenschaft…
…Arminia (die älteste in Berlin),
…Gothia (fruchtlos und beharrrlich, pardon: „furchtlos und beharrlich“),
…Thuringia („selbstverständlich trinken wir auch“),
…der Märker („Männer mit Grundsätzen“);

Aufgefallen durch Kontakte zu Rechtsextremen ist bspw. die Gothia, welche 1999 Horst Mahler als Referenten zu sich ins Haus einlud. Außerdem bestehen Kontakte zum Berliner Reservistenverband. Des Weiteren richtete die Gothia 2003 das Pressefest der Zeitung „Junge Freiheit“ aus, bei deren Gründung die als rechtsextrem eingestufte „Burschenschaft Danubia zu München“ maßgeblich beteiligt waren.

Verbindungen an der FU

Im Vergleich mit anderen deutschen Städten jedoch ist die Akzeptanz von Studentenverbindungen in Berlin eher gering (gewesen) – und damit auch deren Einfluss. Der Grund hierfür lässt sich in der außerordentlichen Vergangenheit der Stadt finden. Durch den Sonderstatus Westberlins nach ’45 und der dadurch ausgeschlossenen Wehrpflicht war dieses in der Vergangenheit stets Hochburg antifaschistischen Denkens.
So konnte sich 1950 beispielsweise im Konvent der Freien Universität Berlin der Beschluss durchsetzen, Aktivitäten der farbentragenden Verbindungen und das Farbentragen innerhalb der FU und auf ihren Veranstaltungen zu verbieten. Im Jahr zuvor hatte der AStA bereits versucht, die Unvereinbarkeit von Immatrikulation oder Tätigkeit an der FU mit der Zugehörigkeit zu schlagenden und farbentragenden Korporationen zu beschließen, was jedoch letztlich vom Oberverwaltungsgericht mit der Begründung der Verfassungswidrigkeit unterbunden wurde.
Als dann 1963 der bereits vorher erwähnte schlagende Bursche und Mitglied im demokratiefeindlichen RCDS Eberhard Diepgen zum 1. AStA-Vositzenden gewählt wurde, formierte sich breiter Widerstand. Eine Urabstimmung mit einer Wahlbeteiligung von über 10.000 Studenten (damals 70,8% der gesamten Studierendenschaft) machte mit 64,5% der Stimmen gegen Diepgen nun unzweifelhaft klar, dass reaktionäres Gedankengut einer freien Universität nicht zur Ehre gereicht.

Nach diesem kurzen und unvollständigen Anschnitt relevanter Themen um die Burschenschaften und den ihnen verwandten anderen Studentenverbindungen bleibt nur noch Zeit einen Strich unter diese kleine Abrechnung zu setzen. An dieser Stelle wollen wir uns noch einmal auf den einfachen Mann, den im ersten Semester, der eben seinen Wehrdienst hinter sich hat und gerade etwas eingeschüchtert von der großen Universität ist, besinnen. Vielleicht hat er ja jetzt schon seine ersten Kneipen hinter sich und somit auch schon das gelernt, was in der Öffentlichkeit jeden guten Nationalisten ausmacht: leugnen; schlicht und einfach sich selbst und seine eignen Ideale verleugnen. Dann wird er etwas von „Iiiich bin ja nur konservativ“ und „Werte sind doch so wichtig!“ oder „Deutschland ist halt nunmal… und deshalb muss…“ erzählen. Doch was sich stets dahinter verbirgt ist – zugegeben oft nicht leicht zu fassen – die deutsche Fratze der Autorität und Arschkriecherei, gepaart mit den rassistischen, homophoben und sexistischen Auswüchsen der Xenophobie und natürlich unser aller altem Freund, dem Kapitalismus, dessen Untertan der traditionsbewusste Verbindungsstudent immer war, ist, und immer sein wird.
Lasst uns dieses Glied des Systems ein für allemal abtrennen!

AKZC(/IJ)