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Versuchter Totschlag durch Neonazi(s) am Abend des Fackelmarsches

In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es zu einem organisierten Angriff durch Neonazis auf den Infopunkt der Proteste gegen den Coburger Convent und die darin befindlichen Menschen.

Eine Gruppe von insgesamt ca. 20 Neonazis aus dem Umfeld des Fränkischen Heimatschutz Coburg begann um 1 Uhr morgens aggressivst einige Antifaschist_innen vor dem Infopunkt zu beleidigen, zu provozieren und massiv zu bedrohen. Die Gruppe breitete sich um den Infopunkt aus, um die Menschen einzuschüchtern. Während diesen Provokationen kam es unter anderem zu einem “Sieg Heil”-Ruf inklusive Hitlergruß. Bereits hier hätte die anwesende Polizei reagieren müssen – diese bewachte – wie auch an allen vorherigen Abenden des Wochenendes – die Teilnerhmer*innen der Proteste, da diese als potentiell kriminell angesehen werden. Hierzu ist anzumerken, dass alle Proteste durchweg friedlich waren. Die anwesenden Beamt*innen reagierten allerdings nicht einmal als einer der Neonazis versuchte, einen Antifaschisten mit einem massiven Bierkrug zu treffen. Dieser nahm durch Wurf quer über die Straße den möglichen Tod eines Menschen bewusst in Kauf. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Stefan Fritz, aktiver Kader des Fränkischen Heimatschutz Coburg und auch schon Samstag bei der Demo am Rande, versuchte aufgrund der schon anwesenden Polizeibeamt*innen, seine Kameraden zu beruhigen.
Die daraufhin anrückenden Polizeieinsatzkräfte nahmen zwar die Anzeigen auf, ließen die neonazistischen Gewalttäter nach kurzer Zeit aber lediglich mit einem Platzverweis weiterziehen.
Diesen nahmen auch nicht alle wahr, sondern warteten in Nebengassen auf Antifaschist*innen, den Bullen wurde das mitgeteilt, es kam aber zu keiner Verfolgung der Neonazis, unter ihnen der Täter des Bierkrugwurfes. Das Versprechen, weiterhin auf den Infopunkt aufzupassen, wurde auch eine halbe Stunde später wieder aufgehoben und die Bullen rückten alle ab.

Daran lassen sich die verstörenden Verhältnisse in Coburg an diesem Wochenende aufzeigen:
Einige Stunden zuvor wurden Antifaschist*innen in Gewahrsam genommen, weil sie mit einem Transparent an der Route des Fackelmarsches wohl unangenehm für den CC waren. Diese wurden wie Schwerverbrecher behandelt. So wurden sie von Beamten des USK mehrfach bedroht und beleidigt (unter anderem hierzu folgt eine ausführliche Mitteilung). Am Abend des Samstags wurde ein Antifaschist über Nacht eingesperrt und erkennungsdienstlich behandelt, weil er jemandem am Rucksack gezogen haben soll, ein anderer weil er angeblich versucht hatte, einem Burschi die Mütze vom Kopf zu ziehen. Werden Antifaschist*innen aber von Neonazis massiv angegriffen und nehmen den möglichen Tod eines Menschen in Kauf können die Straftäter aber schon nach kurzer Feststellung der Personalien weiterziehen.

Die diesjährige Demonstration gegen den CC

Die diesjährige Demonstration gegen den sexistischen, elitären und geschichtsrevisionistischen Coburger Convent wurde seinem Aufruf „Lieber Nackt als Vollwichs“ in vollen Zügen gerecht. 121 Menschen tanzten friedlich und ausgelassen in kreativen Outfits, mit vielen Seifenblasen, Tröten etc. durch die Coburger Innenstadt. Somit konnte ein schöner Kontrast zu den edlen, einheitlich und militaristisch gekleideten Verbindungsstudenten dargestellt werden, welche sich auf derartigen Veranstaltungen vor allem über ihre Kleidung selbst definieren wollen. Sehr erfreulich war, dass dieses Konzept mehr Coburger_innen dazu motiviert hat, sich an den Protesten gegen den für sie störenden CC zu beteiligen dazu wurden auch Infoflyer an viele Passant_innen verteilt, die auch mit großem Interesse entgegengenommen wurden.

Bei den Ordnungshüter_innen kam diese friedliche und ausgelassene Grundstimmung leider nicht an. Diese gingen ihrer Aufgabe, eine bestimmte Quote an Menschen festzunehmen, pflichtbewusst nach, um ihre Existenz, als auch einen Einsatz in diesem Umfang zu rechtfertigen. Deshalb war auch in ihren Augen eine derartige Präsenz, als auch das Filmen und Abfotografieren von Demoteilnehmer_innen legitim. So wurden im Anschluss an die Demonstration mehrere Personen festgenommen, weil sie die Parole „Schießt den Burschis in die Hoden, deutsches Blut auf deutschem Boden“ gerufen haben sollen. Scheinbar sah die Polizei, die diese Parole die vergangenen 2 Jahre duldete und scheinbar keinen Straftatbestand erkennen konnte, hierin die Möglichkeit, ihre unnötige Anwesenheit zu einer Dringlichkeit hochzuspielen. Die örtliche Presse in Form von Volker Friedrich hat, wie so häufig, ein stark verzerrtes Wahrnehmungsproblem. Beispielsweise lautet die Überschrift des Artikels zu den Protesten in der Neuen Presse Coburg: „Vier Festnahmen bei Demo gegen den CC“. Dadurch sollen die Proteste sofort in eine kriminelle Ecke geschoben werden. Im ganzen Artikel keine Erwähnung von Menschen in bunten Outfits, Seifenblasen etc.. Vielleicht sollte die Neue Presse ihren Journalist_innen Brillen sponsern ?!
Geradezu widerlich suggeriert er, dass es ja „feministisch“ sei, wenn bspw. Femen oberkörperfrei mit Körperbemalung protestieren, aber gleichzeitig der Sexismus ja einer der Hauptvorwürfe gegen den CC ist – er relativiert. Was nicht fair ist, denn Femen wollen doch gerade darauf aufmerksam machen: Diskriminierung eines Geschlechts indem man es zum Objekt herabstuft, für Lust, Begierde, Reproduktion usw., was sich dann dem entsprechend messen lässt und das nicht nur durch Einkommen. Dort sind die Unterschiede nämlich riesig: Es ist Fakt, dass der gender wage gap ( was Frauen relativ ggü. Männern verdienen ) in Deutschland noch 23% beträgt.
Und Herr Friedrich legt guten Gewissens noch einmal nach zum Thema Sexismus, der seine absolute Ahnungslosigkeit entblößt:
„Die Frauen von Femen sind dafür bekannt, dass sie gerne mal blank ziehen, um ihren Protest gegen was auch immer mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen“. Ja genau, die ziehen sich aus, weil sie Aufmerksamkeit haben wollen und viel weniger weil sie auf etwas aufmerksam machen wollen….

Am Rande der Demo waren stets stadtbekannte Neonazis, unter anderem Mario Krauser und Stefan Fritz, zu sehen, was die Polizei nicht störte. Dies zeigt deutlich, dass der Fränkische Heimatschutz Coburg weiterhin aktiv ist. Zurzeit verstecken sie sich hinter der Facebook-Seite „Frei statt Bunt“, doch wir werden uns von derartigen Ausweichmanövern nicht beirren lassen.

Alles in Allem konnten wir uns durch eine kreative Demonstration viel Gehör bei der Coburger Bevölkerung verschaffen. Das aggressive Auftreten der Verbindungsstudenten und der Polizei zeigt, dass der Protest gegen den CC ein Dorn im Auge der konservativen Kräfte ist. Auch der Umgang mit Protestformen, die sich von einer geordneten, klar strukturierten Demonstration unterscheiden, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Kritik absolut von Nöten ist.

Wir werden es uns auch in Zukunft nicht nehmen lassen, Coburg und dem CC zu zeigen, was wir von dieser Veranstaltung jedes Jahr an Pfingsten halten.

Gegen Sexismus und elitäre Männerbünde!

No justice, no peace, fuck bavarian police!

Die Bullen zeigen sich an diesem Wochenende wieder von ihrer besten Seite. So wurde bereits seit Freitag die Innenstadt als Gefahrengebiet deklariert, was sowohl willkürliche Kontrollen als auch Platzverweise nach sich zog. Allerdings können wir eine Zunahme an Bullenübergriffen, an Aggressivität bei ihren sog. „Maßnahmen“ und körperlicher Gewalt verzeichnen.

So wurden Freitagnacht mehrere Genoss*innen nach einem Übergriff eines Burschis mit Schlägen, Würgen und sexistischen Beleidigungen am Marktplatz von den Pigs festgehalten. Mit den Worten „Das sind die Linken, also die Bösen“ war auch schon zu Beginn des Wochenendes klar, wer das auserkorene Feindbild bayerischer Bullen darstellen soll.
Zum Abschluss gab es für alle Genoss*innen auf dem Markt einen Platzverweis für die gesamte Innenstadt, die angreifenden Burschis durften hingegen ohne Auflagen weiterhin dort saufen und pöbeln.
Am Samstag kam es nach einer friedlichen Demonstration zu mehreren Übergriffen und Festnahmen durch die berühmt, berüchtigt, bayerische Prügelgarde, namentlich USK. Diese wurden von bekannten aggressiven Staatsschutz-Bullen im Vorfeld schon koordiniert.
Festgenommene wurden von den eingesetzten Bullenschweinen immer wieder bedroht. „Du kriegst gleich auf die Fresse“, „Eigentlich bin ich nur hier, um dir aufs Maul zu hauen“ und „Wir sind hier im Freistaat Bayern, da wird das anders geregelt“ sind nur wenige Beispiele.
Am Samstag-Abend schaffte es eine größere Gruppe, sich der polizeilichen Überwachung zu entziehen. Die Pigs revanchierten sich bei einem folgenden Zusammentreffen auf dem Marktplatz. Hier kam es zu einem willkürlichen Angriff auf einen Genossen, als Begründung wurde später angegeben, er sei dem auf sich zukommenden Bullen zu nahe getreten. Ein anderer Genosse wurde unter dem Vorwand der Körperverletzung für längere Zeit kontrolliert, fotographiert und somit seiner Freiheit beraubt. Ebenfalls auf dem Marktplatz griff ein Burschi einen weiteren Genossen an, woraufhin ein Bulle näher kam, ihn am Kragen packte und sagte: „Du hast versucht, die Mütze zu klauen“. Ein ihm zu Hilfe eilender Genosse wurde auf gleiche Art und Weise von den eingesetzten Pigs traktiert. Beide landeten in der Zelle. Mit den Worten „Ihr wisst ja mittlerweile, wie’s hier läuft. Wenn’s nach uns ginge, dürftet ihr hier gar nicht mehr sein.“ (im O-Ton grauenvolles Bayerisch) wurden Platzverweise und die Androhung, bis zum Ende des Pfingstkongresses des CC in der JVA Kronach eingesperrt zu werden, ausgesprochen.

Wir werten dies als erneuten Versuch, antifaschistische und emanzipatorische, also für Bullen und Stadt unbequeme, Politik zu verhindern. Wir werden uns aber weder durch Gefahrengebiete noch Willkür daran hindern lassen, dem CC jedes Jahr auf’s Neue ins Bier zu spucken. In diesem Sinne: „Follow the Cops back home!“ (Zitat „Placebo“)

Die von uns verwendeten Beleidigungen beziehen sich auf das gesamte Berufsfeld von Polizeibeamt*innen, eine Unterscheidung ist für uns nach diesem Wochenende nicht mehr nötig. ( siehe: BVerfG, 10.10.1995 – 1 BvR 1476/91; 1 BvR 1980/91; 1 BvR 102/92; 1 BvR 221/92 & §185 StGB)

EA-Nummer

Hier die EA-Nummer für das Wochenende: 017693647140

ab morgen früh dann dauerhauft erreichbar

Es geht los! – Infos fürs Wochenende

Ab heute gehts richtig los mit dem CC und so beginnen auch unsere Proteste!

Geht man dieses Wochenende auf die Straße zeigt sich gerade jetzt zur WM Zeit ein noch groterskeres Stadtbild in Coburg: Nazis laufen seelenruhig durch die Stadt, der ach so harmlose Partypatriotismus ist überall wo man nur hinssieht und zu allem Überfluss ist ganz Coburg an Pfingsten noch randvoll mit Burschis, ihre ekeligen Veranstaltungen und Ansichten inklusive.


Hier wichtige Infos für euch:

Es gibt wieder einen Infopunkt, dort wird es auch Vokü, Filme etc. geben, dort werden auch die Pennplätze koordiniert und ihr habt einen festen Anlaufpunkt das Wochenende über. Zu finden im Bürgerbüro in der Heiligkreuzstraße 35 96450 Coburg

Die Öffnungszeiten sind:

Freitag: 17 bis 23 Uhr
Samstag: 10 bis 14 und 19 bis 24 Uhr
Sonntag: 12 bis 22 Uhr
Montag: 10 bis 13 und 18 bis 22 Uhr

Programm:

Samstag:
14Uhr Bahnhofsplatz Tanzdemo
im Anschluss Vokü im Infopunkt

Sonntag:
ab 15Uhr Kaffee&Kuchen im Infopunkt (bringt bitte zahlreich Kuchen zum teilen mit, Kaffee haben wir)
ab 16Uhr Film im Infopunkt

Montag:
ab 22Uhr Vidoekundgebung Badergasse-Ecke- Mohrenstraße

Infotelefon:
017678854816
(ab jetzt besetzt)

Karte:

Wir werden euch hier auf dem Blog jeweils am Abend immer auf den neuesten Stand bringen. Infos gibt es ansonsten über das Infotelefon. Die EA Nummer wird heute Abend bekanntgegeben und ist ab da auch das Wochenende über besetzt.

Passt auf euch auf!!! Seid im bestenfall in Gruppen unterwegs.
Gerade zum Fackelmarsch am Montag werden zusätzlich noch einige Nazis unterwegs sein(wann gibts für die Nasen schonmal die Ästhetik des Nationalsozialismus in dieser Größe zu betrachten…).

Heraus zum CC!!!
LIE­BER NACKT ALS VOLL­WICHS!!!

Pressemitteilung

Wie jedes Jahr zu Pfingsten, bleibt Coburg auch leider diesmal der Pfingstkongress des Coburger Convents (CC) nicht erspart. Die Stadtführung ließ es sich in den vergangenen Jahren nicht nehmen, den CC als Ausdruck einer bunten Stadt Coburg zu benennen. Von Burschis bejubelt, für uns nicht hinzunehmen.
Deshalb machen wir es uns in diesem Jahr zur Aufgabe, ein leichtsinniges Bild von Toleranz, neonazistischer Gefahren und Bedeutungen des „Bunt-Seins“ zu durchbrechen.

Unser blanker Protest ist die Offensive gegen die selbstausgerufene „Farbenvielfalt“ des CCs. Wer Uniformen und Männerrituale für den Fortbestand der Idee von bunten studentischen Verbindungen richtig hält, steht einer emanzipativen Entwicklung der Gesellschaft entgegen.

Unser Tanz gegen ihre Aufmärsche ist die Antwort für ein freies Leben, für Emanzipation und Humanismus!

Unseren Antifaschismus setzen wir gegen ihr Weltbild, das sie sowohl beim Totengedenken als auch beim Fackelmarsch ausgiebig präsentieren. Ein Fackelmarsch in Uniform ist nicht bunt, sondern ästhetisch und inhaltlich verwerflich. Der Gottesdienst des CC am Montagmorgen ist eine Farce, bei der ausschließlich deutschen Täter*innen gedacht wird.
Wir sehen sowohl durch die anhaltende Repression der Justiz- und Polizeistellen als auch skandalöser Auflagen der Stadt Coburg inklusive Redeverbot und Rechtemaximierung des CCs keinen Sinn darin, weiterhin eine Kundgebung zum Totengedenken anzumelden.

Deshalb wird es am Pfingstsamstag (14:00 Uhr – Bhf-Vorplatz) eine Tanzdemo durch die Innenstadt und Montagabend (22:00 – Ecke Badergasse / Stadtcafè) eine erneute Videokundgebung geben, bei der ästhetische Parallelen zwischen CC und Aufmärschen der NSDAP deutlich werden sollen. Jede*r ist willkommen, um gemeinsam mit uns für etwas anderes als den CC einzustehen.

Lieber Nackt als Vollwichs! Studentische Verbindungen auflösen!
Pressekontakt/Infotelefon: 017678854816

Freiluftkino – Deckname Dennis

Die Freilugtkino- Gruppe zeigt am kommenden Donnerstag, 05.Juni, den Film „Deckname Dennis“ und zwar zur besten Sendezeit um 20.15Uhr am Albertsplatz in Coburg.

Kurze Beschreibung zum Film von deren Flyer zur Veranstaltung:

„Vor der Kamera sagen sie alles. Man muss nur dumm genug fragen. Und sich als amerikanischer Fernsehjournalist ausgeben. Was dabei herauskommt ist eine absurde und groteske Reise in das deutsche Selbstbewusstsein. Aberwitzig, bissig und in jeder Hinsicht grenzwertig lädt die Realsatire mit Dennis Mascarenas dazu ein, dieses Land – und Coburg – aus einer neuen Perspektive zu betrachten.“

Alle Jahre wieder!

Auch dieses Jahr wird es leider den Coburger Convent wieder geben und daher auch unsere Proteste gegen eben diesen.

Besser spät als nie wird nun auch unsere Seite auf den neusten Stand gebracht.

Lest euch unseren Aufruf durch, macht euch Gedanken und kommt an Pfingsten nach Coburg. Zeigt den Burschis, dass auch eine Gesellschaft jenseits von Sexismus, Rassismus, Nationalismus, Autoritarismus, Militarismus, Elitarismus und Antisemitismus möglich ist!

In diesem Sinne: LIEBER NACKT ALS VOLLWICHS!!!

Auswertung der Proteste gegen den Coburger Convent 2013

Wie schon seit einigen Jahren wurde auch dieses Jahr der Protest gegen den Coburger Convent (CC) aufrecht erhalten. Dieser orientiert sich zeitlich am Programm des Pfingstkongresses, um diesen effektiv zu stören. Zusätzlich wurden am Sonntag Infoveranstaltungen durchgeführt. Es konnten neue Akzente gesetzt werden, welche die Protest-Choreographie bereicherten.


Los ging es mit der traditionellen Demonstration am Samstag (18.5.). Die Demo stand dieses Jahr unter dem Motto „Herrschaft, kein Grund zu feiern“ und problematisierte insbesondere den institutionellen Sexismus im CC. Auf Transparenten, mit Sprechchören und Winkelementen wurde besonders dieser Aspekt verdeutlicht. Insgesamt war die Demo lautstark und besuchte auch Orte, die in der Vergangenheit nicht thematisiert wurden. Im Vergleich zu den Vorjahren war sie allerdings weniger gut besucht, was vor allem an der NPD-Demonstration am gleichen Tag in Sonneberg lag.
Ab 18Uhr versammelten sich über 150 Antifaschit_innen am Albertsplatz, um dann gegen 19Uhr die Innenstadt unsicher zu machen. Im Laufe der Demonstration wuchs der Zug auf ca. 200 Leute an, die zum Teil aus ganz Nordbayern angereist waren. Die Route führte vorbei an vielen, für den CC wichtigen, Orten und sorgte dafür, dass die Burschis die Kritik nicht ignorieren konnten. Man merkte, dass immer mehr Coburger Bürger_innen zu Pfingsten die Stadt verlassen, um die von Burschis und Bullen besetzte Stadt nicht erdulden zu müssen. Die noch anwesenden Passant_innen wurden mit Flyern, über Sinn und Zweck der Proteste informiert, die bereits bis zur Zwischenkundgebung alle verteilt waren. Entgegen der Auflagen, konnten auf der ersten Hälfte der Demonstrationsroute Seitentransparente durchgesetzt werden.
Von Anfang an wurde, wie nur in dieser Stadt üblich, die gesamte Demo, aber vor allem die vermeintlichen Organisator_innen von Bullen mit Videokameras und von Staatsschützern mit Teleobjektiven abgelichtet. Dass zudem ein völlig überdimensioniertes Aufgebot von Bereitschaftsbullen und USK-Schlägern versuchte die Demonstration einzuschüchtern und für Außenstehende zu kriminalisieren, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Dementsprechend wurde die Demonstration auch nach einiger Zeit am weitergehen gehindert und um eine Eskalation zu vermeiden, wurde im Folgenden teilweise auf die Seitentransparente verzichtet.
Nach etwa der Hälfte des Weges wurde am Marktplatz eine Zwischenkundgebung abgehalten, bei der unter anderem die staatliche Repression gegen die Proteste in einem Redebeitrag behandelt wurde. Spätestens hier fiel auf, dass auch viel weniger Burschis als sonst in Coburg waren. Dennoch ließen sich einige von ihnen provozieren. Dies war noch viel mehr der Fall, als die Demo an den einschlägigen Burschikneipen (Loreley, Goldenes Kreuz, Ratskeller usw.) vorbeizog.
Die Demo zog weiter und wurde solidarisch mit Transparenten aus einer Wohnung gegrüßt. Der Protest scheint in Coburg endlich angekommen zu sein. Bis zum Ende am Kongresshaus war die Demonstration lautstark. Dort erwarteten die Teilnehmer_innen bereits weitere Bullen, die mit einer doppelten Reihe Tretgitter den beginnenden Ball des CC schützten. Entgegen der Anmeldung konnte der Protest nicht direkt vor das Gebäude getragen werden.
Die Lauti- Moderation bestärkte die Demo in ihrem Anliegen, trug zu guter Stimmung bei und thematisierte immer wieder die reaktionäre Politik, des angeblich unpolitischen Dachverbandes. Ein Ausführlicher Redebeitrag setzte sich außerdem mit tradierten Geschlechterrollen außeinander und kritisierte Studentische Verbindungen radikal aus feministischer Perspektive.
Am Rand ließen sich auch immer wieder lokale Nazis des Fränkischen Heimatschutzes blicken, die sich jedoch nicht nahe heranwagten und sich lieber von Bullen schützen ließen. Bereits im Vorfeld gab es willkürliche Vorkontrollen, die versuchten von allen Teilnehmer_innen die Personalien zu erfassen und sie rigide abzutasten. Dabei sind auch zwei Festnahmen zu bedauern, wobei eine Person mit offenem Haftbefehl bereits am Bahnhof festgenommen wurde, von der nicht bekannt ist, ob sie zur Demonstration wollte.

Sonntags hat der CC kein öffentliches Programm, außer sein dämliches Sportfest. Die Zeit wurde genutzt um im Infopunkt Infoveranstaltungen durchzuführen. Bei Kaffee und Kuchen wurden verschiedene Infovorträge gehalten. Das Interesse an den Themen, die Nachfragen und das Bedürfniss nach Diskussionen, das in dieser Stadt von keiner anderen Seite bedient wird, konnte den Zeitplan nicht berücksichtigen. Ein erster Vortrag lieferte eine fundierte Kritik am Korporationswesen und gab einen Überblick über die Geschichte der Proteste in Coburg. Der folgende informierte über die Vielfältigkeit anarchistischer Ideen und die historischen Umstände ihrer Entstehung. Gemeinsam wurden die vorgestellten Konzepte auf Aktualität hin kritisch untersucht. Der zeitlich letzte Input beschäftigte sich in einem ersten Teil mit deutschem Geschichtsrevisionismus, um dann die Spezifika bei der Geschichtsklitterung des CC zu beleuchten. Abschließend wurde mit Hilfe der Kritischen Theorie ein dialektisches Geschichtsbewusstsein skizziert. Zu allen Themen war die Zeit zu knapp angesetzt, dennoch konnten Impulse zum Weiterdenken gesetzt werden. Am späten Abend wurde der Film „Deckname Dennis“ gezeigt. Durch die Realsatire auf deutsche Verrücktheiten konnte sich gut auf den nächsten Tag motiviert werden.


Gemäß der Choreografie des CCs war auch für die Antifa, am Montag, früh aufstehen gefragt.
Trotz Nieselregen versammelten sich knapp 50 Leute zur Kundgebung gegen das Totengedenken, die Teilnehmer_innenzahl erhöhte sich stetig.
Das Totengedenken ist integraler Bestandteil des CC Pfingstkongresses, hier versammeln sich alle angereisten Korporierten zwischen Landestheater und Ehrenburg. Chargierte in Vollwichs marschieren dabei auf die Arkarden. Es wird ein Kranz für die Verbrecher beider Weltkriege niedergelegt, um dann zum „Ehrenmal des CC“ zu ziehen. Da das schreckliche Ritual seit einiger Zeit durch Kundgebungen empfindlich gestört wird, findet das Totengedenken seit drei Jahren als Gottesdienst getarnt statt, womit Störungen schärfer geahndet werden können.
Auch hier war der Kundgebungsort entgegen der Anmeldung einige Meter weiter von den Korporierten entfernt als geplant. Zudem war er von Tretgittern umstellt und der Staatsschutz nutzte auch hier die Gelegenheit, um sein Fotoalbum zu vervollständigen. Mit Parolen und einem Redebeitrag zu Geschichtsrevisionismus wurde der erste Teil des Zeremoniells dennoch effektiv gestört, was zu zahlreichen Unmutsbekundungen seitens der Burschis führte. Besonders lächerlich und zudem juristisch kaum haltbar, war die Auflage, sich schon während der Kranzniederlegung, die nicht Teil des Gottesdienstes ist, auf eine „rein optische Kundgebung“ zu beschränken. Ein großes Aufgebot von Bereitschaftsbullen griff die Kundgebung nach ersten Parolen, während der Schweigeminute brutal an und zog zwei Teilnehmer_innen aus der Kundgebung. Weil sich die Moderation darüber empörte, wurde nach Ende der Kundgebung eine weitere Person festgenommen, weil sie angeblich versuchte die Polizei zu nötigen, die anderen Personen wieder freizulassen. Coburg at its best. Für die Zukunft ist über andere Aktionsformen für Montagmorgen nachzudenken.
Bei dem Gottesdienst im Hofgarten selbst wurde in üblicher Weise die Geschichte verdreht. Klaus Müller von der präsidierenden Landsmannschaft Macaria Köln hiel in seiner reationären Rede mit seiner Gesinnung nicht hinterm Berg. So sprach er von einem “Inferno mit Abermillionen Toten, Verletzten, Verkrüppelten und zerstörten Lebensräumen bei Freund und Feind, dazu Flucht und Vertreibung aus der angestammten Heimat”, um anschließend zu behaupten: “Unsere Schwestern und Brüder im Osten mussten wegen einer menschenverachtenden Ideologie aus den Trümmern des Krieges ihre eigenen Mauern und Türme errichten.”

Als Antwort auf diese jährliche massive Vereinnahmung des öffentlichen Raums durch den CC, der die coburger Stadt an diesen fünf Tagen quasi gemietet hat, und so auch als Reaktion auf den Vormittag dieses Tages, kam es am Abend zu einem “Reclaim the Streets”. Ca. 30 Menschen tanzten bunt, ausgelassen und zu Technomusik mitten auf der Straße. Die war jedoch Teil der Route des traditionellen Fackelmarsches der CCler. Deshalb kamen die Fahnen, Fackeln und Säbel tragenden, mit Marschmusik begleiteten Chargierten für einige Minuten zum Stehen. Diese weitere Störung eines Zeremoniells brachte einzelne alte Herren in einen Zustand der Aufregung, der weit über das Maß des Gesunden hinausging. Nachdem die spontane Versammlung von Bullen an den Rand gedrängt wurde, konnten die Burschis nun die “Mohrenstraße” – bis 1945 die “Straße der SA” – hinauf marschieren. Oben angekommen wurden sie auf der einen Seite von der Burschenschaft “Fäckalia” mit Grüßen und ironischen Parolen empfangen.
Auf der anderen Seite erwartete sie eine Videokundgebung, bei der auf einer Leinwand Bilder und Filmaufnahmen von Verbindungsstudenten gezeigt wurden, die auf dem Wardburgfest 1817 und in Berlin 1933 Bücher verbrennen. Die Moderation der Kundgebung erläuterte diese historischen Ereignisse und machte auf die sowohl ideologischen wie ästhetischen Parallelen aufmerksam. Ähnlich schaurige Bilder waren im folgenden auf dem Coburger Marktplatz zu sehen, wo alle Fackeln auf einen Haufen geworfen wurden, um den dann nur als scharze Silhouetten erkennbar Burschis, Nazis und Coburger Bürger standen, während vom mit Scheinwerfern beleuchteten Rathausbalkon eine weitere deutsch-nationale Rede der Präsidierenden zu hören war. Die Neonazis haben sich in dieser Nacht nicht nur an dieser Ästhetik ergötzt, sondern zogen auch in Gruppen umher.

Auch abseits der genannten Aktionen war noch einiges los. So wurden wieder eifrig Mützen eingesammelt und das offenbar in einem Ausmaß, dass es der CC bei jeder Gelegenheit öffentlich bedauerte. Während des “Volkslaufs”, einem Teil des Sportfestes verliefen sich einige Teilnehmer, weil zuvor Schilder entwendet und verdreht wurden, die die Route anzeigten. Das führte auch dazu, dass sich einige umsonst abmühten und Friedrich Ludwig Jahn nacheiferten, da ihre Teilnahme nicht gewertet werden konnte. Über das ganze Wochenende wurden auch jede Menge Sticker geklebt, um kritisch ins Stadtbild zu intervenieren.

Es lässt sich festhalten, dass der CC und seine Verbindungen zwar leider kein großes Nachwuchsproblem haben, doch immer weniger Korporierte zu Pfingsten nach Coburg kommen. Die öffentliche Kritik an der DB setzt auch dem CC ganz schön zu, was ihn auch gegenüber der Presse immer verschlossener auftreten lässt. Vielleicht versteht so auch langsam die sogenannte liberale Öffentlichkeit, dass ein Dachverband, der keine Unvereinbarkeit mit NPD-Mitgliedschaften hat und österreichische Bünde, wie die Genzlandsmannschaft Cimbria Wien in seinen Reihen toleriert ein Problem darstellt.

Wir sehen uns nächstes Jahr in Coburg!

Infos fürs Wochenende

Pennplatzbörse
Falls ihr in Coburg einen Schlafplatz benötigt meldet euch bei uns über e-mail (ccnd[at]riseup.net) jabber (ccnd[at]jabber.org) oder kommt einfach in den Infopoint. Falls ihr noch freie Schlafplätze in Coburg zur Verfügung habt würden wir uns genauso um eine Info freuen.

Infopoint
Den Infopoint findet ihr wieder Heiligkreuzstrasse 35 / Ecke Hintere Kreuzgasse und hat zu folgenden Zeiten geöffnet:

Fr 16:00 – 20:00
Sa 14:00 – 17:30 sowie ab 22:30 bis open end
So 15:00 – 23:00
Mo 12:30 – 21:00

Infotelfon: 015204550133
Habt ihr wichtige Infos oder braucht ihr Infos oder wollt einen Schlafplatz? Dann ist das Infotelefon eure richtige Ansprechpartnerin

EA: 015204547802
Der Ermittlungsausschuss (EA) dokumentiert die Repression und versucht dagegn vorzugehen. Wenn ihr oder Freud_innen festgenommen wurdet oder ihr eine Festnahme beobachtet meldet dies dem EA. Wichtig: Bitte nichts zum Tatvorwurf am Telefon erzählen, sonder nur Namen und wenn möglich Geburtsdatum der betroffenen Person weitergeben. Tauscht diese Daten mit eurer Bezugsgruppe aus. Bitte meldet euch auch beim EA wenn ihr wieder rauskommt.

Alle wichtigen Daten Nummern, Dates des CCs und des Widerstands sowie eine praktische Karte findet ihr hier: